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al musiqa: Momo Djender zu Popmusik in Nordafrika

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Nordafrikas Popmusik stand im Mittelpunkt der dritten Folge der DAFG-Reihe „al musiqa – Arabische Musik in Geschichte und Gegenwart“, die am 11. November 2021 sowohl online als auch vor einem kleinen Live-Publikum in der Geschäftsstelle der DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. stattfand. Diesmal konnte Musikwissenschaftler und Moderator Sean Prieske einen wahren Experten auf dem Gebiet der nordafrikanischen Popmusik begrüßen: den auch international bekannten algerischen Sänger, Komponist und Talkshow-Moderator Momo Djender. Unter dem Titel „Von Schallplatte bis Castingshow – Popmusik in Nordafrika“ nahmen die beiden Musikexperten die Zuschauer und Zuschauerinnen auf eine Reise durch die musikalische Geschichte und Gegenwart Nordafrikas – unterhaltsam, gut gelaunt, kenntnisreich und mit vielen live gespielten Musikbeispielen.

Die seit diesem Jahr bestehende DAFG-Reihe al musiqa möchte neugierig auf arabische Musik in all ihrer Vielfalt machen. Von regionalen Musiktraditionen bis hin zu den wichtigsten Instrumenten und musikhistorischen Entwicklungen, vermittelt al musiqa grundlegende Kenntnisse über arabische Musik und deren kulturellen Einfluss. Das von der Qatar Foundation International (QFI) finanziell unterstützte Programm richtet sich an alle, die sich für Musik interessieren, möchte aber vor allem auch Lehrer:innen und Schüler:innen ermutigen, die arabische Musik kennenzulernen, zu erleben und auszuprobieren.
Zum ersten Mal seit Beginn der Covid-19 Pandemie konnte dies auch ein kleines Publikum live bei der Veranstaltung tun: Eine Schüler:innengruppe der Salzmannschule in Schnepfenthal konnte während ihres Berlin Besuchs mit Abstand und Maske ein wenig „Studioatmosphäre“ schnuppern und einen echten Star kennenlernen. Denn der Gast des Abends, Momo Djender, ist nicht nur in Nordafrika bekannt. Auch auf internationalen Bühnen ist er kein Unbekannter. Seine arabische Coverversion von George Michaels „Last Christmas“ bescherte ihm schon mit 19 Jahren seinen ersten Nummer 1 Hit in Algerien. Seit dem kann der inzwischen in Berlin lebende Vollblutmusiker auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Neben vielen weiteren Charterfolgen und einem erfolgreichen Auftritt bei „The Voice of Germany“, stehen Kollaborationen mit den großen Namen der Pop-, Jazz- und Weltmusik wie Sting und Klaus Doldinger in seinem beeindruckenden Lebenslauf.

Djender ist kabylischer Abstammung und wächst mit Chaabi-Musik auf, der traditionellen algerischen Musikrichtung mit Ursprüngen in der arabisch-andalusischen Musiktradition. Doch er interessiert sich früh für Jazz und Soul und distanziert sich zuerst von seiner eigenen Tradition, bis seine Reisen und das Leben in der Fremde ihn seine kulturellen und musikalischen Wurzeln wiederentdecken lässt. In seiner Musik verbindet er Pop, Jazz, Soul und traditionelle arabische Musik miteinander und versucht immer wieder Hörer für die arabische Musik zu gewinnen und auf ihren großen kulturellen Einfluss auf die westliche Musik aufmerksam zu machen.

Dieser transkulturelle Charakter der arabischen Musik war dann auch der rote Faden, der sich durch die al musiqa-Veranstaltung zog. Denn Sean Prieske und vor allem Momo Djender begeisterten die Zuschauer und Zuschauerinnen nicht nur mit ihren zahlreichen musikalischen Beispielen, sondern auch durch einen informativen und unterhaltsamen Einblick in die Geschichte der nordafrikanischen Musik, in der Eroberung und Kolonialisierung, aber auch der Kulturaustausch eine wichtige Rolle gespielt haben.

So zeigte und spielte Djender die „Guembri“, eine traditionelle Kastenhalslaute aus Kamelstutenhalshaut und Ziegendarm, die in Nordafrika vor allem von Schamamen eingesetzt wurde.  Das, wie Djender scherzte, „voll kompostierbare“  Instrument ist für Djender das „Urinstrument“, das zu einem der Vorläufer der Oud – und damit auch der Gitarre gezählt werden kann. Auch die für den Samba charakteristische Pandeiro Trommel, so Djender, habe ihren Ursprung in der nordafrikanischen Rahmentrommel – der Bandir. Letztendlich haben auch Flamenco, Tango, Samba und Salsa ihre Wurzeln in der arabischen Musik, die durch die arabisch-muslimische Eroberung Südspaniens nach Andalusien und dann nach Lateinamerika gelangte.

Es ist Momo Djender ein Anliegen, diese Einflüsse aufzuzeigen und mit seiner Musik auch in jungen, arabischen Hörern ein Bewusstsein für und Stolz auf die eigene, reiche Kultur zu wecken. „Ich bin in diesen Kulturkreis hineingeboren, ich hatte Anspruch darauf, stolz auf meine Kultur zu sein“, so Djender. „Aber irgendwann kommt eine Zeit, in der man realisiert, dass die eigene Kultur als schlecht, als 'Terroristen-Kultur' wahrgenommen wird.“ Dabei sei es auch eine Hochkultur, die großen kulturellen Einfluss hatte und hat.

Musik ist für ihn das verbindende Element, das die Kulturen zusammenbringt: „Ich finde es so toll, dass Musik tatsächlich Völker verbindet, Herzen zusammenbringt. Wenn man zusammen tanzt, ist es nicht wichtig woher du kommst, es ist einfach nur eine schöne Sache. Jede Gelegenheit, gute Laune zu verbreiten, zusammen Spaß zu haben, zusammen zu tanzen, ist für mich eine sehr gute Gelegenheit“, so Djender.

In diesem Sinne arbeitet er gerade an einem deutschsprachigen Album, das alle musikalischen und kulturellen Elemente, die ihn beeinflusst haben, vereint. Zum Abschluss der Veranstaltung gab Momo Djender noch eine Kostprobe aus seinem neuen Album, das 2022 erscheinen soll. Aber auch die Schüler:innen hatte im Anschluss an die Veranstaltung die Gelegenheit aktiv Musik zu machen. Sie konnten Momo Djender nicht nur Fragen stellen, sondern auch die vielen, von ihm mitgebrachten nordafrikanischen Instrumente wie Bandir, Guembri und Qraqab, die traditionellen Metallkastagnetten Nordafrikas, ausprobieren.  

Es war ein gelungener Abschluss der al musiqa Reihe für dieses Jahr, die 2022 weiter fortgesetzt werden soll. Das die Reihe begleitenden „al musiqa – live!“ Programm, das Besuche arabische Musiker:innen an Berliner Schulen ermöglicht, startet im Dezember 2021 mit dem arabischen Musiker Husam Al-Ali, der zusammen mit Schüler:innen einer Friedrichshainer Grundschule arabische Musik machen wird. Für mehr Informationen zu dem „al musiqa – live!“ Programm, kontaktieren Sie die DAFG-Referentin Isabell Achterberg (isabell.achterberg@dafg.eu)

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