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DAI-DAFG Reihe: Vortrag mit Dr. Alexander Ahrens

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Auf 18 Kilometer Länge überwindet das in Jordanien gelegene Wadi Shuaib 1200 m Höhenunterschied und durchläuft mehrere klimatische Zonen von seiner östlichsten Ausdehnung nahe der Stadt As-Salt, bis es im Westen in das Jordantal mündet: Eine faszinierende Transitregion, die schon früh archäologisch untersucht wurde. Seit 2016 erfasst das Deutsche Archäologische Institut (DAI) systematisch alle archäologischen Funde der Region. Die aktuellen Forschungsergebnisse stellte am 29. Juni 2021 der Leiter des Projekts, Dr. Alexander Ahrens, im Rahmen eines Online-Vortrags bei der DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. vor. Der Vortrag ist die mittlerweile schon fünfte Veranstaltung im Rahmen der gemeinsamen Vortragsreihe von DAI und DAFG „Archäologie & Kulturerbe in der arabischen Welt“, die seit 2020 erfolgreich läuft.

Diese „DAI-DAFG-Brücke“ wie DAFG-Vizepräsident Prof. Dr. Claus-Peter Haase die Reihe in seiner Eröffnung bezeichnete, soll dem interessierten Laienpublikum den Zugang zu aktuellen archäologischen Forschungsergebnissen in der arabischen Welt eröffnen. Jordanien, diese „Landschaft der Propheten, mit ihren wunderbaren, tief eingeschnitten Tälern, den Wadis, dem Toten Meer und der unglaublich vielfältigen Fauna und Flora in ganz engem Rahmen“, so Haase, gebe nicht zuletzt auch Aufschluss über die Herkunft der europäischen Bevölkerung und sei daher von besonderem archäologischen Interesse.

Gesamtheitlicher Survey des Wadi Shuaib

Forschungen gab es daher in dieser Region schon früh, wie Dr. Alexander Ahrens nach seiner kurzen Vorstellung durch Dr. Arnulf Hausleiter, wissenschaftlicher Referent für die arabische Halbinsel beim DAI und gleichzeitig Kurator der Vortragsreihe, darstellte. Doch bislang fehlte ein „gesamtheitlicher und intensiver Survey“ des Wadis, der „kohärent und zusammenfassend das Wadi als Mikroregion an sich erfasst“,  so der Projektleiter, der seit 2015 als wissenschaftlicher Referent in der Außenstelle Damaskus des DAI tätig ist und seit 2016 das Wadi Shuaib Projekt leitet.
Dabei geht es bei dem Projekt nicht nur um archäologische Ausgrabungen, sondern vor allem um die Erfassung sämtlicher archäologischen Fundstätten sowie Architektur- und Siedlungsspuren im Wadi Shuaib durch Oberflächenbegehung, Satelliten-Luftbilder und Keramikfunde. Neben der Kartierung neuer Fundstätten werden dabei auch schon bekannte Funde einem „Monitoring“ unterzogen, wenn nötig erneut erfasst und eventuelle Schäden dokumentiert. Zusätzlich führt das DAI am Tell Bleibil noch Ausgrabungen durch, die weiteren Aufschluss über die Entwicklung des Wadis und seiner Besiedlung geben sollen.

Von Neolithikum bis 1. Weltkrieg – Besiedlungsspuren im Wadi Shuaib

Es ist eine große Herausforderung, die das Team um Dr. Ahrens zu meistern hat: Die Archäologen müssen im Wadi Shuaib Besiedlungsspuren vom Neolithikum, über Bronze- und Eisenzeit, persische, römische, byzantinische, islamisch-mittelalterliche bis hin zur spätosmanischen Zeit im Auge behalten – ein beeindruckender Zeitraum, in dem das Wadi und seine Nutzung durch den Menschen sich immer wieder verändert hat. So geben Funde aus dem Neolithikum Hinweise auf eine fast durchgehende Besiedlung des Wadis, während für die Bronze- und Eisenzeit kaum Belege für eine Besiedlung vorliegen – eventuell die Auswirkungen des „Late Bronze Age Gap“, einer Hitzeperiode, in deren Verlauf vermutlich die Siedlungen aufgeben wurden. In der Eisenzeit änderte sich das Klima erneut, so dass wieder mehrere kleinere Siedlungen entstanden.  Am Tell Bleibil konnte das Team um Dr. Ahrens sogar eine eisenzeitliche, massive Stadtmauer ausgraben, die für den relativ kleinen Fundort eine erstaunliche Höhe von fast sieben Metern aufweist. Vermutlich ist ihre Existenz ein Hinweis auf den wachsenden Druck von, der durch die Einwanderung der Assyrer in der 2. Hälfte des achten Jahrhunderts v.Chr. und die damit verbundenen kriegerischen Auseinandersetzungen entstand. 

Militärische Nutzung des Wadis

In der römisch-byzantinischen und teilweise auch in der mittelalterlich-islamischen Zeit wiederum bildeten sich zwei größere Siedlungen mit teilweise feudalen Grabanlagen. Der Siedlungsbau steht mit größter Wahrscheinlichkeit in Verbindung mit dem Aufbau des römischen Straßennetzes. Ebenso entstanden wohl die Wachtürme, die an mehreren Stellen des Wadis gefunden wurden. Sie weisen eine ähnliche Bauweise auf und wurden in einer „Line of Sight-Intervisibility“ erbaut, d.h. sie wurden in Sichtlinie voneinander errichtet und zum Weiterleiten von Signalen genutzt. Die militärische Bedeutung und Nutzung des Wadis prägt dann auch die Funde aus osmanischer Zeit, die hauptsächlich aus Militärstationen, Schützenstellungen und Schrapnellsplittern aus dem 1. Weltkrieg bestehen und Beleg für die Kämpfe zwischen deutschen und britischen Streitkräften am Tell Bleibil während des 1. Weltkriegs sind.

Das Wadi Shuaib als wichtige Transitzone

Die aktuellen Forschungsergebnisse des Wadi Shuaib Projektes zeigen vor allem, dass das Wadi durch seine unwirtliche Umgebung mit steilen Hängen und Steigungen von fast 45 Prozent kaum ein idealer Ort für eine kontinuierliche Besiedlung war. Besiedlungen waren meist von kurzer Dauer, verschwanden vollständig oder bildeten sich in unmittelbarer Nähe des alten Standorts später neu. Das Wadi, so Dr. Ahrens, war eher Transitzone, die militärisch genutzt wurde. Doch da das Wadi das transjordanischem Hochland nicht nur mit dem Toten Meer – und damit mit seinen reichen Ressourcen von Pech und Schwefel – verbindet, sondern auch den Zugang zu der schon im Neolithikum bedeutenden Siedlung Jericho und dem Mittelmeer ermöglichte, liegt die Vermutung nahe, dass das Wadi auch schon früh und intensiv für den Handel genutzt wurde.

Ein Wettlauf mit der Zeit: Monitoring und Damage Assessment

Besiedlungspuren seien aber oft schwer zu finden, vor allem solche aus dem Neolithikum, so Ahrens. Hangerosion und Verschüttungen machten die Suche oft unmöglich. Aber auch Schäden durch Bauprojekte der letzten Jahren, z.B. Straßen oder Plantagen, machen sowohl das Auffinden als auch die Erhaltung dieser Fundorte schwierig. Daher ist auch das „Monitoring und Damage Assessment“ eine wichtige Aufgabe des Projektes, um die archäologischen Fundstätten zu sichern und zu schützen. Ein Unterfangen, das nicht immer erfolgreich ist: „Was man nicht gesurveyed hat, verschwindet“, so Ahrens, „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit“.

Es war eine "hochinteressante Reise durch die Zeiten", so Haase in seinem Resümee, auf die Dr. Ahrens die zahlreichen Zuschauer und Zuschauerinnen mitnahm, die trotz der Konkurrenz durch das EM-Achtelfinale teilgenommen hatten.

Die archäologische Reise mit dem DAI geht weiter: Die nächste Veranstaltung in der Reihe "Archäologie & Kulturerbe in der arabischen Welt“ findet am 24. August 2021 um 17:00 Uhr statt. Dann hält der Generalsekretär Dr. Philipp von Rummel den Vortrag „Archaeology for the People: German-Tunisian Archaeological Research at Simitthus (Chimtou, Tunisia)".

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