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1001 Nacht in der Staatsbibliothek: Ausstellungeröffnung mit der DAFG e.V.

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Ob Sindbad, Ali Baba oder Aladdin – fast jeder kennt zumindest einige Geschichten und Figuren aus Tausendundeine Nacht, einem der einflussreichsten Werke der Weltliteratur. Kaum ein Werk hat weltweit mehr die Fantasie beflügelt, Eingang in die Popkultur gehalten und die westliche Sicht auf die Kultur des Nahen Ostens geprägt. Die neue Ausstellung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, die am 19. November 2019 eröffnet wurde, widmet sich diesem Phänomen. „Reisende Erzählungen – Tausendundeine Nacht zwischen Orient und Europa“ dokumentiert facettenreich die Überlieferungswege, die vielzähligen Erscheinungsformen und die Wirkung der Erzählungen auf die Wahrnehmung des „Orients“ in der westlichen Welt. Ebenso vielfältig wie die Ausstellung präsentierte sich das kulturelle Rahmenprogramm der Ausstellungseröffnung, dass von der DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin – PK gestaltet wurde und die fachlichen Vorträge und Einführungen perfekt ergänzte. Mit Märchenerzähler, Gesang und Tanz erweckte die DAFG e.V. Sheherazades Geschichten aus Tausendundeiner Nacht zum Leben und brachte einmal mehr Aspekte der arabischen Kultur dem breiten Publikum nahe.

„Reisende Erzählungen“ – Einem Literaturphänomen auf der Spur

Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, begrüßte die über 300 Gäste, die zur Ausstellungseröffnung in den Otto-Braun-Saal der Staatsbibliothek gekommen waren und führte kurz in die multimediale Ausstellung ein, die zusammen mit der Humboldt-Universität zu Berlin und der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin konzipiert und ermöglicht wurde. Wenn sie, so Schneider-Kempf, in Gesprächen die Ausstellung erwähne, so erzählten ihr ihre Gesprächspartner meist von Kindheitserinnerungen, die sie mit Sheherazades Geschichten verbänden. So tief seien die Erzählungen von Tausendundeine Nacht in die Vorstellung und Erinnerung der Menschen eingedrungen, hätten ihre Kindheit und ihre Vorstellung vom Orient geprägt. Diese Wirkung zu dokumentieren, den Weg der Erzählungssammlung hin zum einflussreichsten Werk der Literaturgeschichte darzulegen und gleichzeitig auch die Auswirkungen auf die westliche Wahrnehmung des Nahen Ostens zu hinterfragen – das sei Ziel der Ausstellung. Zahlreiche kostbare Leihgaben aus ganz Deutschland – von seltenen arabischen Handschriften über Filmplakate und Gebrauchsgrafiken bis hin zu aufwendig gestalteten Kinderbüchern – wurden zu diesem Zweck zu einer beeindruckenden Ausstellung zusammengefügt, die Aufschluss gibt über die Wirkungsgeschichte, die Überlieferungswege und Erscheinungsformen der Tausendundeine Nacht Erzählungen. Ergänzt wird die Ausstellung durch Video- und Audioinstallationen des Filmkünstlers Thomas Ladenburger über die fantastische Welt der Gaukler und Geschichtenerzähler in Marrakesch im Foyer der Staatsbibliothek, die zum Eintauchen in die Kultur des Geschichtenerzählens einladen und die Erzählungen in ihren Kontext oraler Erzähltradition setzen.

Faszination Tausendundeine Nacht – Beitrag zur Weltkultur und Quelle von Orientklischees

Prof. Dr. Ulrich Marzolph, Islamwissenschaftler und Experte für narrative Tradition in der islamischen Welt, gab anschließend mit seinem Vortrag „Tausendundeine Nacht – Erzählen mit Leidenschaft“ einen präzisen Überblick über die Entstehungsgeschichte der Erzählungen von den mündlich tradierten Anfängen über die französische Adaptation Mille et une Nuits des Orientalisten Antoine Gallands bis hin zu den neuesten Disney-Adaptionen, Musicals und Fernsehserien. Die eigentlich lose Sammlung von Erzählungen, die nie abgeschlossen wurde, stammt ursprünglich aus Indien und Persien und gelangte dann in die arabische Welt. Die erste arabische Handschrift der oral tradierten Erzählungen entstand im 8. Jahrhundert. Gallands Adaption der Erzählungen im 18. Jahrhundert löste dann einen wahren Tausendundeine Nacht-Rausch aus. Die Rahmenhandlung von der schlauen, geschickten Sheherazade, die durch ihre Erzählungen Nacht für Nacht den grausamen Kalifen Shakhriyar davon abhält, sie und ihre Schwester hinrichten zu lassen, faszinierte die westliche Welt und ließ Sindbad, Aladin und Ali Baba zu den bekannten Popfiguren werden, die nun mehr oder weniger klischeehaft die Medien bevölkern. „Ein wirkmächtiger Beitrag zur Weltkultur“, so Marzolph, das die kreative Fantasie beflügelt wie kein zweites. Aber, so mahnte Marzolph zum Abschluss seiner Ausführungen, die Geschichten dienten auch oft als Quelle allzu stereotyper Darstellungen des Orients und seiner scheinbar so sinnenfreudigen und gleichzeitig grausamen Bewohner. So verband Marzolph seinen Vortrag mit dem Aufruf zu einem kritischen Umgang mit stereotypen Orientbildern und einer bewussteren Auseinandersetzung mit gängigen Klischees. Eine Auseinandersetzung, die auch die Ausstellung anzuregen versucht, wie der Kurator der Ausstellung und Leiter der Orientabteilung der Staatsbibliothek, Christoph Rauch, in seiner Einführung in die Ausstellung ebenfalls deutlich machte.

Tausendundeine Nacht live erleben

Im Anschluss konnte das Publikum das zuvor theoretisch Gehörte auch selbst erleben. Das von der DAFG e.V. organisierte kulturelle Rahmenprogramm der Ausstellungseröffnung machte die Faszination der Erzählungen direkt erfahrbar. Der marokkanische Märchenerzähler Idriss Al-Jay erzählte begeisternd eine Geschichte aus Tausendundeine Nacht, demonstrierte gekonnt die für das Werk so charakteristisch verschachtelte Erzählstruktur mit immer wieder neu einsetzenden Erzählungen. Es war ein kurzer Ausflug in die faszinierende Welt der Märchenerzähler, in die Idriss Al-Jay das Publikum immer wieder mit einbezog. Anschließend präsentierten Mitglieder des Daarna e.V. arabische Musik vom Feinsten. Mit einer stimmgewaltigen und leidenschaftlichen Vorführung interpretierte das elfköpfige Ensemble Samira Saїds „Ekhi ya Sheherazade“. Es war aber vor allem die die tänzerische Interpretation der Erzählungen Sheherazades durch das junge, multinationale Tanzensemble des erst in diesem Jahr gegründeten Vereins, die die Zuschauer endgültig in Scheherazades Welt entführte und für Begeisterung beim Publikum sorgte.

Es war ein lebendiger, abwechslungsreicher Abend, der eine gelungen Einführung in die im Anschluss eröffnete, ebenso vielseitige und inspirierende Ausstellung, darstellte.

Die Ausstellung kann noch bis zum 18. Januar 2019 von Montag bis Samstag (11-19 Uhr) besucht werden. Der Eintritt ist frei. Vorträge und Veranstaltungen begleiten die Ausstellung. Mehr Informationen zu der Ausstellung finden Sie hier.



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