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Seit 2019 veranstaltet die DAFG - Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. gemeisam mit der Bundesakademie für

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'Dichter in dürftiger Zeit'? – Arabische Autor*innen in Deutschland

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Welche Rolle spielen arabische Autor*innen in der Gesellschaft und wie definieren sie diese für sich selber? Diese Frage diskutierten Autor, Übersetzer und Herausgeber Suleman Taufiq und Islamwissenschaftler Stefan Weidner mit DAFG-Vorstandsmitglied und Direktor des MENA Study Centres der Maecenata Stiftung, Prof. Dr. Udo Steinbach, am 15. April 2021 im Rahmen der Online-Veranstaltung „‘Dichter in dürftiger Zeit‘? – Arabische Autor*innen in Deutschland“. Die Veranstaltung wurde von der DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. und dem MENA Study Centre der Maecenata Stiftung gemeinsam organisiert und fand im Rahmen der diesjährigen Berliner Stiftungswoche statt, die sich dem Thema „Klima“ in all seinen Facetten widmete.

So war es dann auch das gesellschaftliche Klima in Deutschland, das nach einem kurzen Grußwort von DAFG-Geschäftsführer Björn Hinrichs im Mittelpunkt der Diskussion stand. Es sei eine „dürftige Zeit“, wie das Zitat Hölderlins im Titel der Veranstaltung schon andeute, so Moderator Steinbach, voller Spannungen und Ressentiments gegenüber Geflüchteten, die in Deutschland lebende arabische Autor*innen vor besondere Herausforderungen stelle und die Frage aufwerfe, was sie in dieser Situation zum gesellschaftlichen Klima beitragen können und wie sie selber ihre Rolle definieren.

Stefan Weidner, selber Übersetzer arabischer Literatur und Autor des Überblickswerks 1001 Buch. Die Literaturen des Orients wies darauf hin, dass im Gegensatz zur aktuellen Wahrnehmung nicht alle arabischen Autor*innen in Deutschland aus ihren Heimatländern geflüchtet seien. Gerade in den siebziger und achtziger Jahren seien viele Autoren zum Studium nach Deutschland gekommen und geblieben, um hier zu arbeiten. Durch die Flüchtlingswellen der letzten Jahre sei die Zahl arabischer Literaturschaffender in Deutschland gestiegen – darunter seien nun auch viele Autorinnen, die in den achtziger Jahren noch selten nach Deutschland kamen.

Doch diese Generation geflüchteter Autor*innen, so Weidner, muss die schwierige Entscheidung treffen, wie sie weiterhin sich literarisch ausdrücken möchten. Entweder müssen sie sich als literarisches Ausdrucksmittel die eigentlich fremde, deutsche Sprache aneignen – wie es zum Beispiel dem deutsch-irakische Autor Abbas Khider gelungen ist, dessen auf Deutsch geschriebene Werke inzwischen Bestseller sind. Oder sie schreiben weiterhin auf Arabisch, müssen dann aber damit rechnen, von deutschen Verlagen nicht wahrgenommen zu werden. Vielmehr sind sie dann auf die problematische Verlagssituation in der arabischen Welt angewiesen, die wiederum eine breitere Rezeption in Deutschland behindern. Denn noch immer wird wenig arabische Literatur übersetzt, arbeiten Verlage in der arabischen Welt unprofessionell oder leiden an dem Mangel eines funktionierenden Vertriebssystems, Lektoren und Literaturagenturen.

Auch der Autor Suleman Taufiq stand vor dieser schwierigen Entscheidung und beschloss, auf Deutsch zu schreiben. „Gastarbeiterdeutsch“, so nannten er und seine Mitstreiter der Autorengruppe „Südwind“, die er in den achtziger Jahren zusammen mit Rafik Schami und anderen Autoren mit Migrationshintergrund gründete, ihre Sprache. Für Taufiq, der in Deutschland beim Goethe-Institut Deutsch gelernt hatte und dann in Aachen Philosophie und Komparatistik studierte, war und ist die Literatur arabischstämmiger Autor*innen eine große Bereicherung für die deutsche Literatur. „Wir benutzen andere Metaphern eine andere Sprachmelodie, die die deutsche Sprache bereichern kann. Araber schreiben zum Beispiel über die Liebe anders als ‚Biodeutsche‘ – eher metaphorisch und mit großem Bilderreichtum“, so Taufiq. Immer wieder habe er Diskussionen mit seinem Lektor führen müssen, der ihm sagte, dass man sich so in Deutsch nicht ausdrücke. Doch genau diese Andersartigkeit mache die deutsche Literatur und die deutsche Sprache reicher, leiste einen Beitrag zur kreativen Weiterentwicklung der deutschen Sprache.

Aber nicht nur durch ihr eigenes literarisches Schaffen, auch durch ihre Tätigkeiten als Übersetzer*innen und Herausgeber*innen üben arabische Autor*innen in Deutschland ihren nicht zu unterschätzenden Einfluss aus. So gab Suleman Taufiq schon früh Sammlungen von Literatur arabischer Autorinnen heraus, übersetzt bis heute Romane, Kinderbücher und Gedichte aus dem Arabischen und trägt so schon seit Jahrzehnten zum deutsch-arabischen Kulturaustausch bei.

Doch dieser Kulturaustausch findet nicht nur Deutschland statt, denn arabische Autor*innen agieren auch in ihren Heimatländern als Kultur- und Literaturvermittler, wie Stefan Weidner betonte. Wenn sie zurückkehren, bringen sie deutsche Literatur in die arabische Welt, übersetzen, verlegen und vertreiben Werke deutschsprachiger Autor*innen. Dieser Beitrag arabischer Autor*innen werde öffentlich oft nicht wahrgenommen, leiste aber einen „massiven Beitrag“ zu Kulturvermittlung und -austausch.

Dieser ist allerdings in durch den aufkommenden Populismus der letzten Jahre zunehmend gefährdet. So stellt Stefan Weidner eine „Zurückhaltung gegenüber der arabischen Welt“ fest, die „an Rassismus grenzt“. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Wahrnehmung und Rezeption arabischer Literatur in Deutschland, deren Situation dadurch noch prekärer wird. Und doch: Waren es in den 80ziger Jahren meist nur Nischenverlage wie der Berliner Verlag Edition Orient, die arabische Literatur in deutscher Übersetzung oder in zweisprachigen Ausgaben herausbrachten und so wichtige Pionierarbeit leisten, haben im Zuge der Flüchtlingskrise nun auch die großen deutschen Verlage wie Suhrkamp, Hanser und Fischer inzwischen einige arabische Autor*innen im Programm. Damit werden arabische Stimmen im deutschen Literaturbetrieb zunehmend wahrgenommen. Ein Verdienst auch der in Deutschland lebenden arabischen Autor*innen und Kulturschaffenden.

Den Beitrag dieser arabischen Stimmen in der deutschen Gesellschaft sichtbar machen: Das versuchten die Gesprächsteilnehmer im Gespräch mit Prof. Dr. Steinbach erfolgreich. Es war der gelungene Auftakt des neuen gemeinsamen Projekts des MENA Study Centres und der DAFG e.V. „Arabische Stimmen in Deutschland“, das in Zukunft arabischen Stimmen aus Kunst, Literatur und Medien eine Plattform bieten und ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander hervorheben möchte.



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