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"Einblicke" mit Dr. Cholidis: Die Tell Halaf-Denkmäler

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Wie lässt man aus 27.000 unsortierten Steinfragmenten 3.000 Jahre alte, meterhohe Denkmäler wieder entstehen?  Welche Geschichten von Zerstörung und Rekonstruktion können die Steine erzählen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des zweiten Vortrags in der neuen DAFG-Reihe „Einblicke – Berliner Museen stellen sich vor“, der am 26. November 2020 online stattfand. Dr. Nadja Cholidis, stellvertretende Direktorin des Vorderasiatischen Museums – Staatliche Museen zu Berlin, berichtete in ihrem Vortrag „Sprich mit den Steinen und die Steine sprechen mit Dir: Was wir aus der Rekonstruktion der Tell Halaf-Denkmäler lernen können“ ausführlich und spannend von einem besonders beeindruckenden Restaurationsprojekt: dem Wiederaufbau der Tell Halaf-Denkmäler, die im 2. Weltkrieg durch eine Brandbombe zerstört wurden. Eine beeindruckende Restaurationsleistung des Teams um Projektleiterin Cholidis, die einem Wunder gleichkommt, wie Gastgeber und Moderator des Vortrags, DAFG-Vizepräsident Prof. Dr. Claus-Peter Haase in seiner Einführung betonte. Er habe in den neunziger Jahren bei einem Rundgang durch die Keller des Pergamonmuseums noch Steinfragmente unsortiert in Kohlenschütten lagern gesehen. Das aus diesen Steinhaufen wieder Denkmäler entstehen könnten, sei geradezu undenkbar gewesen.

Tell Halaf – eine Geschichte der Zerstörung

Doch die Zerstörung der Denkmäler im zweiten Weltkrieg war nicht der erste in der wechselhaften Geschichte der Denkmäler. Die  Bildwerke, die Max Freiherr von Oppenheim bei seinen Grabungen in Tell Halaf im heutigen Syrien fand und nach Berlin brachte, sind Überreste eines 3.000 Jahre alten aramäischen Fürstensitzes, der – so vermuten die Wissenschaftler – im Rahmen einer Strafexpedition im 8. Jahrhundert durch das assyrische Großreich zerstört wurde. Zerstörung durch Krieg – das zieht sich durch die Geschichte der Denkmäler. Oppenheims Grabungen mussten wegen des 1. Weltkrieges ruhen. Die bis dahin ausgegrabenen Funde wurden teilweise durch die kriegerischen Auseinandersetzungen des 1. Weltkriegs stark zerstört. Die schon damals teilweise restaurierten und rekonstruierten Bildwerke stellte Oppenheim dann 1930 in seinem improvisierten Tell Halaf Museum aus, das er in einer ehemaligen Maschinenfabrikhalle aufbaute. Trotz des ungeeigneten Ortes und der Konkurrenz durch das ebenfalls gerade eröffnete Pergamonmuseum, beeindruckte die Sammlung die Besucher und Besucherinnen nachhaltig. Besonders die Rekonstruktion des imposanten Eingangs des Palastes des Kapara faszinierte mit seinen Tierskulpturen und Säulen aus Götterstatuen und hinterließ deutliche Spuren in den Werken zeitgenössischer Künstler wie dem Bildhauer Wilhelm Lehmbrock.

3D Puzzle mit 27.000 Teilen – wie ein Restaurationswunder gelang

Umso tragischer war die erneute Zerstörung der Funde durch eine Phosphorbrandbombe  im November 1943. Die ungeschützten Trümmer konnten erst im August 1944 endgültig geborgen werden. Sie wurden im Keller des Pergamonmuseums aufgestapelt und galten lange als irreparabel und nicht restaurierbar. Das sie nicht entsorgt wurden, sondern bis 1993 aufbewahrt wurden, grenzt, so Dr. Cholidis, an ein Wunder und war darin begründet, das die Trümmer offiziell Besitz der Erben Oppenheims im Westen Deutschlands waren, die Trümmer selber sich aber in Ostberlin befanden. Mit dem Fall der Mauer konnten die Besitzverhältnisse geklärt und im Rahmen des „Masterplan Museumsinsel“ eine Reevaluierung der Fragmente stattfinden. Die  Max Freiherr von Oppenheim- Stiftung konnte als finanzieller Unterstützer für einen Restaurierungsversuch gewonnen werden. 2001 begann das Team um Dr. Cholidis in einem Depot der Staatlichen Museen in Friedrichshagen mit der schier unlösbaren Aufgabe die Fragmente zu sortieren und zusammenzusetzen – mit geringen Erwartungen und wenig Erfolgsdruck. Computerprogramme, die den Prozess unterstützen könnten, waren zu dem Zeitpunkt noch nicht entwickelt. Und so musste sich das Team per Hand an die Sortierung der Fragmente machen. „Wie ein 3D Puzzle mit 27.000 Teilen“ sei die Arbeit gewesen, berichtete Dr. Cholidis. Die Steine seien immer wieder neu sortiert, Fragmente nach bearbeiteten Oberflächen und Einschlüssen untersucht worden, um Zusammenhänge herstellen zu können: Im weiteren Verlauf seien mit Hilfe von bunten Klebepunkten, Gurten und Heißkleber die ersten Bildwerke nach und nach zusammengesetzt worden.  

„Den Steinen zuhören“

Ein Prozess, in dem das Team tatsächlich lernte „den Steinen zuzuhören“, wie Dr. Cholidis in Anspielung auf den Titel des Vortrags betonte. Ein ständiges kritisches Hinterfragen bereits erreichter Restaurationserfolge sei Voraussetzung für den Erfolg. So sei es immer wieder nötig gewesen, schon verklebte Teile wieder zu lösen und neu zusammenzusetzen und neue Verfahren zur Restaurierung zu entwickeln. Dies habe gerade von den Restauratoren um Stefan Geismeier viel Geduld und Engagement erfordert. Doch der Einsatz hat sich gelohnt: Nach neun Jahren konnten die Tell Halaf Denkmäler wieder weitestgehend zusammengesetzt werden. Teilweise gelang es den Wissenschaftlern die Rekonstruktionen Oppenheims sogar zu verbessern, Fragmente, die bei der ersten Restaurierung noch falsch zugeordnet wurden, an den richtigen Platz bringen. Nur 2.000 Splitter, die meist aus dem Inneren der Skulpturen stammen, konnten nicht zugeordnet werden. Eine restauratorische Meisterleistung, die nur durch die hervorragende Teamarbeit und die idealen Arbeitsbedingungen – sichere Finanzierung, ausreichend Zeit und die Möglichkeit der freien Gestaltung der Arbeitsabläufe – möglich wurde, wie Cholidis abschließend betonte.

Die Zukunft der Tell Halaf-Skulpturen

Noch stehen die Skulpturen weitestgehend im Depot und erwarten die Neugestaltung des  Vorderasiatischen Museums. In der Zwischenzeit gehen einzelne Skulpturen auf Reise und werden an andere Museen, wie zum Beispiel den Louvre, ausgeliehen. Der Eingang des Palastes des Kapara soll auch im neugestalteten Vorderasiatischen Museum die Besucher begrüßen – allerdings nicht wie von Oppenheim umgesetzt mit den Götterfiguren als Karyatiden, sondern mit einfachen Säulen, weil es für die von Oppenheim favorisierte Version nicht genügend wissenschaftliche Belege gebe, so Cholidis. Bis die imposanten Bildwerke wie Greif, Löwe und Skorpionvogelmann wieder allen zugänglich sind, kann man nach Anmeldung das Depot in Friedrichshagen besuchen – allerdings erst wenn die Covid19-bedingten Einschränkungen wieder aufgehoben sind.

Es war ein faszinierender Blick hinter die Kulissen des Museumsbetriebes, die Dr. Cholidis den DAFG-Mitgliedern und allen Interessierten ermöglichte. In dem dritten Vortrag der Reihe „Einblicke“, der am 21. Januar 2020 stattfindet, stellt dann Prof. Dr. Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst, sein Museum vor. Am 11. Februar 2020 berichten seine Mitarbeiterinnen Rasha Kanjawari und Miriam Kurz von den zahlreichen Projekten des Museums.
Mehr Informationen zur Reihe und zum Programm finden Sie hier.


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