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DAI-DAFG Reihe: Auftakt mit Dr. Margarete van Ess

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Wie können Grabungsstätten zum einen erhalten, zum anderen einer breiten Öffentlichkeit vermittelt werden? Diese Fragestellung steht im Mittelpunkt der neuen, gemeinsamen Vortragsreihe „Archäologie und Kulturerbe in der Arabischen Welt“ des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und der DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. Zum Auftakt der Reihe hielt Dr. Dr. h.c. Margarete van Ess, Wissenschaftliche Direktorin der Orient-Abteilung des DAI, am 23. Januar 2020 in der bis auf den letzten Platz besetzten Geschäftsstelle der DAFG e.V. den ersten Vortrag zu dem Thema „Weltkulturerbe Uruk: Vom Erhalt und der Vermittlung einer archäologischen Grabungsstätte“.

Nicht nur die neuesten Ergebnisse und Erkenntnisse aus aktuellen Forschungsprojekten des DAI in der arabischen Welt möchte die neue Reihe verständlich vermitteln, sondern auch Einblicke in zwei weitere Aspekte archäologischer Arbeit geben: den des Kulturerhalts und der Vermittlung der Grabungsergebnisse. Dabei richtet sich die Reihe ausdrücklich nicht nur an Experten, sondern auch an interessierte Laien. Das macht die neue Reihe durchaus zur „Novität“, wie DAFG-Vizepräsident Prof. Dr. Claus-Peter Haase in seinem Grußwort betonte. Er dankte dem DAI, insbesondere dem Leiter der Orient Abteilung, Dr. Ricardo Eichmann, dem Koordinator der Reihe und wissenschaftlichem Referenten des DAI für die Archäologie der arabischen Halbinsel,  Dr. Arnulf Hausleiter, sowie der Referentin Dr. Margarete van Ess für Ihre Unterstützung und Bereitschaft, zusammen mit der DAFG e.V. diesen neuen Weg zu gehen und einer breiteren Allgemeinheit Einblicke in die Arbeit der Archäologen zu geben.

Dass diese nicht weltentrückt und rein wissenschaftlich ist, sondern „mitten im Leben“ steht und wirkt, machte auch Dr. Arnulf Hausleiter in seinem Grußwort deutlich. Die forschenden Archäologen müssten sich bei den Grabungen auch immer die Frage stellen, inwieweit der Erhalt der Grabungsstätte Teil der wissenschaftlichen Arbeit sei und wie die Ergebnisse der Grabungen auch der Bevölkerung vermittelt und zugänglich gemacht werden könne. Die Grabungsstätte Uruk im Südirak, Thema des Auftakt Vortrags, sei dafür ein besonders geeignetes Beispiel.

Uruk – UNESCO Kultur- und Natur-Welterbe

Denn Uruk steht im Mittelpunkt eines umfangreichen deutsch-irakischen Konservierungsprojekts unter der Federführung des DAI, das versucht, zum einen die Gefährdung durch politische Instabilität, Klima und Umweltschädigungen aufzuhalten, zum anderen aber auch zum ersten Mal das Besucherinteresse an der Grabungsstätte  im Blick hat. Es ist ein „besonders authentischer archäologischer Ort“, so Dr. Margarete van Ess, dem als wichtiger Ausgangspunkt für Besiedlungen in der Region, vermutlichem Ursprungsort der Schrift und des berühmten Gilgamesch Epos, ein besonderer Stellenwert zuzumessen ist. Archäologische Funde, wie die die gewaltige Lehmstein-Stadtmauer aus dem ausgehendem 4. Jahrtausend vor Christus oder die Belege für effektive Verwaltungsstrukturen, effiziente Lagerhaltung und eine existierende Massenversorgung der Bevölkerung zeugen von der hoch entwickelten Kultur Uruks, die prägend für die Region war. So steht zum Beispiel die Eanna Zikkurat in Uruk, herausragendes Beispiel eines der für die Region typischen gestuften Tempeltürme, beispielhaft für die Entwicklungsgeschichte der Zikkurat in ganz Mesopotamien. Von 3000 vor Christus bis 200 vor Christus immer wieder erneuert und verändert, ist die Eanna Zikkurat doch im Wesentlichen gleichgeblieben und dokumentiert so die Entstehung und Weiterentwicklung der Tempeltürme auf besonders anschauliche Art und Weise. Das, so van Ess, rechtfertige allein schon die in 2016 erfolgte Aufnahme Uruks in die Liste der UNESCO Kultur- und Natur-Welterbe.   

Bedrohung durch Klima und Umwelteinflüsse

Und das, obwohl erst fünf Prozent des riesigen Uruk Areals ausgegraben sind. Doch die Grabungen, die schon 1912 begonnen und immer wieder wegen der Weltkriege und politische Konflikte unterbrochen werden mussten, haben immer wieder wissenschaftlich spektakuläre Architekturreste zutage gefördert. Auch wenn meist nur die Fundamente der aus Lehmstein gebauten Strukturen zu sehen sind, können die Archäologen mithilfe von Informationen aus den Fundamenten und Funden wie zum Beispiel den Treppenverläufen Rückschlüsse auf die Konstruktion und das Aussehen der Bauwerke schließen. 3-D Animationen visualisieren die Berechnungen und erwecken zerstörte Tempelanlagen und Stadtmauern virtuell zu neuem Leben.

Uruk als wissenschaftlicher Ort, so van Ess, muss und soll daher auch gar nicht komplett ausgegraben werden. Denn das was ausgegraben wird, ist immer auch den Elementen ausgesetzt. Der weiße Tempel Anu-Zikkurat in Uruk beispielsweise, ausgegraben in den 30iger Jahren, ist durch Wind und Regen auf der Hochterrasse komplett erodiert. Die instabile politische Lage erschwert das Verschließen der zahlreichen natürlichen Wasserzuflüsse, die das Gebäude sukzessive zerstören. Die meist aus Lehmziegeln bestehenden Bauwerksreste sind nach jedem Regen gefährdet und extreme Wetterlagen nehmen auch im Südirak weiter zu: Notkonservierungsmaßnahmen gehören daher auch zur Arbeit der Archäologen vor Ort. Diese erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der irakischen Antikenbehörde. So besteht das Team, das unter Dr. van Ess Leitung in Uruk arbeitet, zu 50 % aus irakischen Experten der Universitäten und Antikenverwaltung. Kontinuierliche Fortbildungen die das DAI anbietet, sollen helfen, dass die Konservierungsarbeiten langfristig an die Iraker übergeben werden können, so dass das DAI nicht immer vor Ort präsent sein muss.

Zwischen Kulturerhalt und Vermittlung: Uruk für die Öffentlichkeit

Oft ist aber die Verfüllung der schon ausgegrabenen Stätten der einzige Weg, die Funde zu schützen. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass sich der allgemeinen Öffentlichkeit die kulturhistorische und archäologische Bedeutung Uruks nicht sofort erschließt. Denn wo der wissenschaftliche Experte aufregende architektonische Strukturen weiß, sehen die Besucher oft nur auf den ersten Blick unspektakuläre Sandhügel. Die Aufgabe sei daher, so van Ess, das zu erhalten, was zu sehen ist und so zu präsentieren, dass es auch für den Laien verständlich wird. Auch in der Entwicklung von Vermittlungsstrategien arbeitet das DAI eng mit den irakischen Kollegen zusammen. Kulturerhalt und Vermittlung gehen dabei Hand in Hand. Denn, so van Ess, „ich kann nichts erklären, das nicht erhalten ist.“ Neben den erforderlichen Notkonservierungsmaßnahmen arbeitet das Team um Dr. van Ess auch an der Entwicklung eines Rundgangs durch das Ausgrabungsareal, der die Besucher an den interessantesten und wesentlichsten Beispielen archaischer Architektur vorbeiführt. Doch ein Rundgang und die Beschilderung der Funde soll noch nicht alles sein.  Filme und Infoeinheiten für das Handy sollen daher zukünftig virtuell die Hintergrundinformationen und 3D-Visualisierungen den Besuchern zugänglich machen, die bislang nur den Forschern vorbehalten waren. Uruk könnte so auch für die Öffentlichkeit wieder lebendig werden. Auch der ideelle Wert der Ruine als Ursprung der Schrift, Verwaltung und einem der bekanntesten Epen der Weltliteratur, könnte durch eine solche Multimedia Präsentation Rechnung getragen werden.

Interessant, lebendig und immer auch verständlich für den Nicht-Experten führte Dr. van Ess so nicht nur in den aktuellen Stand der Forschungen in Uruk ein, sondern vermittelte auch anschaulich die Bedrohung des Kulturerbes Uruk durch Klima und Umwelt und die Rolle des DAI bei Kulturerhalt und Vermittlung. Es war ein gelungener Auftakt der Reihe „Archäologie und Kulturerbe in der Arabischen Welt“, die bis zum Sommer mit zahlreichen Vorträgen fortgesetzt werden soll. Der nächste Vortrag am 13. Februar 2020 von DAI-Mitarbeiter Dr. Bernd Müller-Neuhof widmet sich dann frühzeitlichen Siedlungen in der Basaltwüste Jordaniens. Mehr Informationen zur Reihe und den kommenden Veranstaltungen finden Sie hier.

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