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Wirtschaft im Fokus: Tunesien vor den Wahlen

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Tunesien steht vor einem wegweisenden Jahr 2019: Im Oktober und November stehen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen an, die die nähere Zukunft des Landes entscheidend prägen und aufzeigen werden, ob der seit den politischen Umbrüchen von 2010/11 eingeschlagene demokratische Weg fortgesetzt wird oder es zu Rückschlägen kommt. Aus wirtschaftspolitischer Perspektive hat sich Jonas Reiche mit diesen Fragen auseinandergesetzt und in seinem CONIAS Risk Report zu Tunesien nicht nur die jüngsten Entwicklungen nachgezeichnet, sondern auch drei Szenarien für die Zeit nach den Wahlen aufgestellt. Im Rahmen der gemeinsam von der DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. und CONIAS Risk Intelligence GmbH als Teil der DAFG-Reihe „Wirtschaft im Fokus“ ausgerichteten Veranstaltung „Tunesien vor den Wahlen – wirtschaftspolitische Weichenstellungen“ stellte Reiche seinen Bericht am 26. März 2019 in der DAFG-Geschäftsstelle vor und ging dabei insbesondere auf den tunesischen Arbeitsmarkt sowie die rechtliche Sicherheit und politische Stabilität im Land ein. Zu Beginn hob der Botschafter der Tunesischen Republik, S.E. Ahmed Chafra, in seinem Grußwort vor allem die Entwicklung von Tunis zum maghrebinischen Startup-Hub hervor. Vonseiten der Veranstalter begrüßten DAFG-Vorstandsmitglied Wolf R. Schwippert sowie Dr. Magdalena Kirchner, Chief Operating Officer und Senior Analyst bei CONIAS.

Die CONIAS Risk Intelligence ist ein junges, aus der universitären Konfliktforschung in Heidelberg hervorgegangenes Beratungsunternehmen mit Sitz in Mannheim, das seit 2015 international operierende Unternehmen und Organisationen dabei unterstützt, kurz- und mittelfristige politische Risiken für Standort-, Logistik- und Investitionssicherheit frühzeitig zu erkennen und zielgerichtete Investitions- und Risikomanagementstrategien zu entwickeln. Mit der Reihe der „Risk Reports“, gefördert von der Funk Stiftung, ziele man darauf ab, wirtschaftspolitische Risiken sowie die wichtigsten Konfliktlinien in insgesamt 25 Ländern zu untersuchen und – basierend auf der Analyse verschiedener Szenarien – die Attraktivität der jeweiligen Standorte zu bewerten, führte Dr. Kirchner aus. Mit Bezug zur MENA-Region sind bisher Reports zu Ägypten, Marokko, Katar, Saudi-Arabien und Tunesien veröffentlicht worden. Insgesamt gehe es vor allem darum, quantitative und qualitative Analyseinstrumente zu verbinden, um auf diese Weise Länder vergleichbar zu machen.

Jonas Reiche, Autor des Risk Reports zu Tunesien, hielt sich in den letzten Jahren regelmäßig im Land auf und beschäftigte sich im Rahmen seines Studiums der Politik-und Wirtschaftswissenschaften intensiv mit der aufstrebenden Startup-Szene von Tunis. Verfasst im Frühsommer 2018, bietet der Risk Report einen detaillierten Überblick über die wirtschaftspolitische Situation und jüngere Vergangenheit, hat aber insbesondere durch den Szenarien-basierten Ausblick weiterhin aktuelle Relevanz. Auf der Basis verschiedener Berichte und Datenquellen habe er drei Entwicklungsszenarien für die nächsten Jahre ausgearbeitet, so Reiche. Seiner Analyse zufolge stelle eine gelungene Transformation mit einem friedlichen Machtwechsel auf Regierungsebene und der Etablierung von Tunesien als engster EU-Partner in Nordafrika ein politisches Best-Case-Szenario dar, das zu einem nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung führen könnte, gefolgt von u.a. einer Steigerung der Reallöhne, der Stärkung des Privatsektors und damit verbundener sinkender Arbeitslosenquote. Demgegenüber bedeute eine längere Periode der politischen Instabilität mit erneuten Ausbrüchen von politischer Gewalt das Worst-Case-Szenario, welches in eine wirtschaftliche Sackgasse und zu deutlichen Rückschlägen führen dürfte. Wahrscheinlicher sei aber eine Entwicklung die zwischen diesen beiden Szenarien liege: In Ermangelung von tiefgreifenden Reformen, sei nur ein gehemmter wirtschaftlicher Aufschwung zu erwarten. Ein Abschluss der EU-Verhandlungen sei aber wahrscheinlich. Insgesamt hänge sehr viel von den anstehenden Wahlen ab, sowohl vom Wahlprozess wie auch dem finalen Ausgang.

Bei allen Schwierigkeiten, insbesondere auf dem Arbeitsmarkt, die der Bericht aufzeige, sei es aber auch ein Ziel gewesen, Tunesien im regionalen Vergleich darzustellen. Diese Perspektive stelle deutlich die positiven Entwicklungen heraus, die Tunesien als Investitionsstandort in Nordafrika durchaus attraktiv machen. Die florierende Startup-Szene in Tunis sei dabei als Beispiel zu nennen, so belegte Tunesien bspw. den ersten Platz im „Startup Friendliness Index“ der Organisation enpact. 

Der vollständige Risk Report zu Tunesien sowie weitere Informationen zu CONIAS sind auf der Internetseite des Unternehmens verfügbar.

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