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Arabische Metropolen auf historischen Aufnahmen

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Es ist eine vergangene Welt, die in der neuen DAFG-Ausstellung „Metropolen der arabischen Welt auf alten Fotografien und Postkarten“ im Mittelpunkt steht. Auf historischen Aufnahmen, Gesamtansichten und Panoramen dokumentiert die Ausstellung wichtige arabische Zentren wie Kairo, Bagdad, Aleppo oder Tunis im Übergang zur Moderne. Zu sehen ist eine bisher nur selten gezeigte Auswahl aus einer der größten Privatsammlungen Deutschlands, die der Sammler Dr. Wolf-Dieter Lemke und DAFG-Vizepräsident Prof. Dr. Claus-Dieter Haase am 26. Juni 2018 in der DAFG – Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft e.V. Mitgliedern und Interessenten zum ersten Mal präsentierten. Die von Dr. Lemke akribisch über Jahrzehnte zusammengetragene Sammlung besteht aus über 35.000 Exponaten – gezeigt davon werden in der DAFG e.V. rund 80 Original-Postkarten und Fotografien, sowie einige Reproduktionen besonders empfindlicher Albumin-Abzüge.

Eine ungewöhnliche und aufwendige Ausstellung. Daher galt der erste Dank in der Begrüßung von DAFG-Vizepräsident Prof. Dr. Claus-Peter Haase natürlich auch Dr. Lemke für seine Bereitschaft, diese seltenen zeithistorischen Dokumente in der DAFG e.V. der Öffentlichkeit zu präsentieren. Doch bei dieser Ausstellung war Prof. Haase nicht nur als Repräsentant der DAFG aktiv. Der ehemalige Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin war Mitinitiator, Ideengeber, wissenschaftlicher Ratgeber und Teil des Kuratoren-Teams. Zusammen mit dem Sammler legte er diesmal sogar selbst Hand bei der Zusammenstellung der Bilder an und unterstützte die Vorbereitungen tatkräftig.


Historische Postkarten: Dokumentation, Kulturaustausch, Informationsquelle

Dass ihm diese Ausstellung historischer Fotografien besonders am Herzen liegt, machte Prof. Haase dann auch in seiner kurzen Einführung deutlich: Postkarten und Fotografien waren, so Haase, in der Zeit um die Jahrhundertwende nicht nur ein Zeichen des wachsenden Massentourismus. Sie fungierten vielmehr als „Botschafter des Landes“ und waren damit das „beste Medium der internationalen Verständigung“. Mit der Fotografie rückte die Welt näher, die Fremde und das Fremde wurden zugänglicher. Fotografien und Postkarten wurden damit ein wichtiger Teil des Kulturaustausches zwischen westlicher und arabischer Welt.

Doch nicht nur das: Durch die politischen Konflikte der letzten Jahre und die damit einhergehende Zerstörungen von architektonischen Strukturen gewönnen, so Haase, die Postkarten und Fotografien noch mehr Bedeutung als wichtige visuelle Dokumentation historischer Bausubstanz.
Diese Bedeutung für die Rekonstruktion zerstörter Strukturen, zum Beispiel der Altstadt Aleppos, unterstrich auch der Sammler Dr. Wolf-Dieter Lemke, der kurz in die Ausstellung und die historische Fotografie einführte. So seien in letzter Zeit Fotos seiner Sammlung zu einer wichtigen Informationsquelle für Wissenschaftler und Experten in der Rekonstruktion zerstörter Städte geworden und stellten zusammen mit vorhandenen schriftlichen Quellen eine unverzichtbare Hilfe für den Wiederaufbau dar.

Zwischen Mittelalter und Moderne: arabische Metropolen im Übergang

Dabei ist der promovierte Islamwissenschaftler, der jahrelang als Bibliotheksleiter in den deutschen Orient-Instituten in Istanbul und Beirut tätig war, nur zufällig zum Sammler geworden. Mit den ersten Postkarten und Fotografien wollte er „ein Bild vom Orient zeigen, dass im Schwinden begriffen war“ – vieles davon oft sehr „orientalistisch“ dargestellt oder inszeniert. Doch jenseits von diesen touristischen Bildern, sind es vor allem die Darstellungen urbaner Strukturen zwischen Mittelalter und Moderne, die Dr. Lemke besonders faszinieren. Und so liegt der Schwerpunkt der aktuellen DAFG-Ausstellung auch auf dem Moment in der Geschichte der größeren arabischen Städte wie Bagdad, Kairo, Aleppo, Algier oder Tunis, in dem die alten, über Jahrhunderte gewachsenen Strukturen noch sichtbar sind, aber schon neue, moderne und häufig westlich geprägte Elemente der Stadtplanung in Erscheinung treten. Das sei, so Lemke, gerade auf den Panoramen und Postkarten der nordafrikanischen Städte deutlich zu erkennen. So kontrastierten beispielsweise Aufnahmen der alten, verwinkelten Gassen der Kasbah von Algier erkennbar mit den parallel sich entwickelnden, gradlinigen und weitläufigen Boulevards und Hafenanlagen der französisch geprägten „Villes Nouvelles“.

Historische Postkarten als Social Media des frühen 20. Jahrhunderts

Diese Welt im Übergang zu dokumentieren, gelingt der Ausstellung durch die faszinierende Vielfalt der Exponate besonders gut. Dabei beschränkt sich die Auswahl nicht nur auf die großen Städte. Die Postkarte - billiger und einfacher herzustellen als die großen Fotografien und Albumin-Abzüge - erlaubte auch die Dokumentation und Visualisierung kleinerer Metropolen. Durch die „Postkarten-Manie“ des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts rückte die Welt näher zusammen. Postkarten erschlossen für einen großen Kreis den Nahen Osten und dokumentierten ihn visuell. So klein sie doch erscheint, so war die Postkarte doch das beherrschende „Social Media“ der Zeit und in ihrer Wirkung nicht weniger effektvoll als die heutigen digitalen Varianten.

Die Faszination von historischer Fotografie und Postkarten wachzurufen, ihre Bedeutung für den Wiederaufbau zerstörter Städte und die wissenschaftliche Dokumentation sich wandelnder urbaner Strukturen zu verdeutlichen – das ist das Ziel der DAFG-Ausstellung. Das dies durchaus gelingt, zeigten die vielen interessierten Nachfragen an Dr. Lemke und die angeregten Diskussionen, die noch lange vor den einzelnen Exponaten geführt wurden.

Die Ausstellung ist noch bis zum 24. August 2018 in den Geschäftsräumen der DAFG e.V. zu sehen – es ist also noch Zeit, in die faszinierende Vergangenheit der arabischen Metropolen zu reisen und Neues und Altbekanntes (wieder)zu entdecken.

 

 

Die Ausstellung kann vom 26. Juni bis zum 24. August 2018 während der Öffnungszeiten der DAFG-Geschäftsstelle (Montag bis Freitag von 10:00 bis 17:00 Uhr) besucht werden. Um telefonische Anmeldung unter 03-2064 888 wird gebeten.

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