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Moderne künstlerische Praxis in der arabischen Welt

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Gab es eigentlich gesellschaftliches Engagement in der arabischen Malerei der Moderne? Kunsthistorikerin und freischaffende Kuratorin Dr. Charlotte Bank beantwortete diese Frage in ihrem Vortrag „Moderne künstlerische Praxis der arabischen Welt“ am 8. Mai 2018 in der DAFG – Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft e.V. Der Vortrag fand in Kooperation mit der Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities (AGYA) und der Georg-August-Universität Göttingen im Rahmen des gemeinsamen Art Meets Science Projektes „Eine Flucht in Bildern“ statt.

Ein heißer Mai-Abend und doch hatten die Zuhörer den Weg in die DAFG e.V. gefunden und wurden von DAFG-Geschäftsführer Björn Hinrichs begrüßt. Ein Dank gelte allen, die statt des Biergartens an diesem Abend doch die DAFG e.V. aufgesucht hätten, so Hinrichs, doch ein großer Dank gelte auch dem Kooperationspartnern von AGYA und der Universität Göttingen für die einmalige Möglichkeit hochkarätige Vorträge zu historischen und kulturellen Themen der arabischen Welt bei der DAFG e.V. präsentieren zu können.

Zusammenbringen, was nicht zusammengehört: Arts Meets Science

Initiator und AGYA-Mitglied Prof. Dr. Jens Scheiner, Professor der Islamwissenschaft an der Universität Göttingen, stellte in seinem Grußwort das Projekt „Eine Flucht in Bildern“ vor, das sich zum Ziel gesetzt hatte, „zwei Disziplinen zusammenzubringen, die eigentlich nicht zusammengehören – die Kunst und die Wissenschaft.“ Im Rahmen des Projektes wurden vom 13. April bis 23. Mai 2018 Bilder des syrischen Künstlerehepaares Nasim Kasem und Ayman Aldarwish im SOS-Kinderdorf Moabit ausgestellt und von wissenschaftlichen Vorträgen flankiert, die die Werke der Künstlerin in einen historischen und sozialen Kontext setzen und in die moderne Kunstpraxis einordnen sollten. 

Letzteres übernahm an diesem Abend Dr. Charlotte Bank, ausgewiesene Expertin für zeitgenössische arabische Kunst und Kuratorin des Berliner Kunstprojekts „Arrival City“. Sie gab einen faszinierenden Einblick in ein nur wenig bekanntes Gebiet der Kunstgeschichte: arabische Künstler der Moderne und ihr – häufig unterschätztes – gesellschaftliches Engagement.

Orientalistisch und doch gesellschaftskritisch – arabische Kunst der Moderne

Allgemeinverständlich entschlüsselte Dr. Bank beispielhaft die Bilder dreier arabischer Künstler des frühen 20. Jahrhunderts. Durch den Mangel an Kunstakademien in der arabischen Welt Anfang des Jahrhunderts, entwickelte sich erst spät eine eigenständige arabische Kunstszene, in der die euopäisch geprägte Avantgarde-Bewegung  nur wenig Einfluss ausübte. Ein wichtiger Vertreter dieser Kunstszene war der syrische Künstlers Tawfiq Tarek. Er schuf nur auf den ersten Blick scheinbar unpolitische Ölgemälde, die klar in der Tradition klassischer Historien- und Landschaftsmalerei stehen. Doch, so Bank, ist Tareks Werks nicht der ohne kritische Aspekte. Vielmehr sind seine Gemälde von Schlachten und historischen Persönlichkeiten bildliche, subversive Kommentare zu aktuellen Ereignissen in der arabischen Welt. Dies gilt auch für den libanesischen Künstler Moustapha Farroukh, dessen Bilder zwar, so Bank, durchaus auf den ersten Blick „orientalistisch“ seien, aber sich auf den zweiten Blick kritisch kommentierend mit Geschlechternormen und der gesellschaftlichen Marginalisation der Frau  auseinandersetzen. Mit der ägyptischen Künstlerin Inji Efflatou stellte Dr. Bank hingegen ein wichtiges Mitglied der Frauenbewegung in ihrem Land vor, die bewusst und offensiv eine direktere und sichtbarere Verbindung von politischem Aktivismus und Kunst propagierte.

Nasim Kasem und Ayman Aldarwish: Kunst für alle

Eine Verbindung, die auch die beiden syrischen Künstler Nasim Kasem und Ayman Aldarwish mit ihren Werken eingehen. Sie reihten sich, so Dr. Bank, ohne Zweifel in die Tradition des gesellschaftlichen Engagements in der arabischen Kunst ein. Gerade syrische Kunst sei immer gesellschaftlich engagiert gewesen und hätte zu eine sehr metaphernreichen Bildsprache entwickelt, mit der die Künstler die Zensur zu umgehen versuchten. Der Beginn der politischen Proteste in hätte dann aber einen Bruch mit dieser Art der künstlerischen Auseinandersetzung herbeigeführt: Künstler suchten eine direktere Sprache, die nicht nur von einem versierten Fachpublikum, sondern von der breiten Öffentlichkeit verstanden werden konnten. So wählen Ayman Aldarwish und Nasim Kasem in ihren Werken eine traditionellere Bildsprache mit geläufigen Symbolen, wie zum Beispiel die Friedenstaube, um ihre Botschaft allgemeinverständlicher auch Betrachtern jenseits von Galerien und der „Hochkunst“ nahezubringen.

Wie sehr dies gelingt und wie tief die direkte Bildsprache des syrischen Künstlerehepaars berühren kann, zeigte sich in der anschließenden offenen Diskussion über das Werk Ayman Aldarwish. Drei ausgewählte Reproduktionen der Werke der beiden Künstler, die während der Vorträge in der DAFG-Geschäftsstelle hingen, boten Anlass zu einer intensiven, gemeinsamen Bildanalyse von Publikum, Moderator und Kunsthistorikerin.  

Ein Austausch, ganz im Sinne des Projektes, der neue Einblicke und Perspektiven auf die arabische Kunst und die Menschen hinter den Schlagzeilen eröffnen konnte.

Mehr zu dem Projekt und den weiteren Vorträgen des Rahmenprogramms finden Sie hier.

 

 

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