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Sicherheitspolitik und Klimawandel im Nahen Osten

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Die Auswirkungen des Klimawandels betreffen den Nahen Osten im besonderen Maße. Drastische Temperatursteigerungen, Wassermangel und Dürren treffen auf eine volatile Region mit großem Bevölkerungswachstum. Neben bedeutenden Herausforderungen für die Menschen in den arabischen Staaten ergeben sich auch große sicherheitspolitische Implikationen durch die Klimaveränderung. Gemeinsam mit der GSP—Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. widmete sich die DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. am 10. September 2020 in der Online-Veranstaltung „Der Klimawandel und seine Folgen für die Sicherheitspolitik im Nahen und Mittleren Osten“ diesem wichtigen Thema. Es diskutierten Dr. Kira Vinke, Projektleiterin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), und Stefan Lukas, Lehrbeauftragter der Universität Jena und Gastdozent an der Führungsakademie der Bundeswehr, unter Moderation von DAFG-Geschäftsführer Björn Hinrichs.

Dr. Vinke präsentierte zunächst einen kurzen Überblick über den klimatischen Wandel, die Entwicklung der C02-Konzentration und den Anstieg der globalen Durschnittstemperatur. Zu den beobachtbaren Klimafolgen zählten u.a. vermehrte Waldbrände, Wasserknappheit und extreme Dürre. Es sei festzustellen, dass die Klimafolgen stetig schwerwiegender werden. Der Klimawandel führe in diesem Zusammenhang auch zu bedeutenden Sicherheitsrisiken wie extremen Wetterereignissen und Nahrungsmittelknappheit. Damit verbunden sei eine Zunahme von Armut. Die klimatischen Entwicklungen machten gewaltsame Konflikte in den „Hotspots“ wahrscheinlicher, zu denen auch der Nahe Osten gehöre.

Klimaveränderung als zusätzlicher Faktor für gewaltsame Konflikte

Die Referentin machte weiterhin deutlich, dass der Klimawandel mit möglichen Ressourcenkonflikten einhergehe und zu einer Landflucht bzw. Migrationsbewegung in urbane Zentren führe. Am Beispiel Syriens zeigte sie auf, wie sich eine verheerende Dürre auf die ländlichen Lebensgrundlagen ausgewirkt und Migrationsbewegungen in die Städte initiiert habe. Diese Entwicklungen hätten in Syrien mit zu großen Spannungen und Protesten geführt, denen dann mit Gewalt von Seiten der Regierung begegnet worden sei. Besonders in autoritären und ethnisch fragmentierten Staaten ohne Mechanismen zum Interessenausgleich und zur Interessenvermittlung sei der Klimawandel ein zusätzlicher Faktor für gewaltsame Konflikte. Die Entwicklung von der Klimafolge zum Konflikt hänge jedoch stark von lokalen Kontexten ab.

Stefan Lukas stellte anschließend fest, dass negative Klimafolgen oft mit dem Thema Wasser und Wasserknappheit verbunden seien. Wasser werde das Öl in der Region in Zukunft als wichtigste Ressource ablösen. Die Staaten der Region würden zukünftig maßgeblich von Wasserrisiko und Wasserstress betroffen sein. Er adressierte zunächst das Problem des Meeresspiegelanstiegs und der Versalzung von Böden für den Nahen Osten. Von diesen Phänomenen werde beispielsweise Ägypten in Zukunft stark betroffen sein, mit großen Konsequenzen für die Landwirtschaft aber auch für die Wasserversorgung ganzer Stadtviertel. Auch der Schatt al-Arab sei von dieser Klimafolge betroffen, sodass es sowohl zu Konflikten zwischen Bevölkerungsgruppen als auch Auseinandersetzungen mit der Zentralregierung, die dieses Problem bewältigen müsse, kommen könnte. Auch die Gletscherschmelzung, die er am Beispiel des Siachengletschers in Pakistan aufzeigte, sei ein großes Problem für die Wasserversorgung. Die Süßwasserreservoirs der Gletscher würden nach und nach verschwinden, mit schwerwiegenden Konsequenzen für Staaten, die auf wenig diversifizierte Wasserressourcen zurückgreifen müssten. Weiterhin problematisch sei der Umgang mit Süßwasservorkommen in Seen und Grundwasserspeichern, die durch landwirtschaftliche Übernutzung stetig weniger Wasser führten.

Der Klimawandel als „Brandbeschleuniger“

Die Verteilung von Wasserressourcen führe auch zu Spannungen zwischen Staaten. Als Beispiel nannte Lukas den Konflikt zwischen Ägypten und Äthiopien über das Vorgehen bei der Füllung des äthiopischen Renaissance-Staudamms. Ägypten fürchte dabei, einen erheblichen Rückgang des nutzbaren Wassers aus dem Nil, der wichtigen Wasserressource des Landes. In vielen Konflikten, so auch im Nahostkonflikt, spiele die Ressource Wasser eine große Rolle. Viele Länder, wie die Golfstaaten, seien außerdem auf die Entsalzung von Meerwasser angewiesen. Entsalzungsanlagen würden allerdings oft mit fossilen Brennstoffen betrieben und stellten in der unruhigen Region kritische Infrastruktur da, die Gefahren durch physische Angriffe oder Cyberattacken ausgesetzt sei.

Lukas beschrieb den Klimawandel als „Brandbeschleuniger“, der mit seinen Folgen für eine Verstärkung bestehender Probleme in der Region sorge. In der Konsequenz könne dies zum Anstieg von Unruhen und Auseinandersetzungen in den betroffenen Ländern führen. Frau Dr. Vinke machte deutlich, dass der Klimawandel besonders in Staaten mit mangelhaften Governance-Strukturen ein zusätzlicher Faktor sein, der zu gewaltsamen und chaotischen Zuständen beitragen könne. Der Stressfaktor Klimawandel werde dabei in Zukunft zunehmen und eine größere Rolle spielen.

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