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DAFG-Reihe „Arabische Staaten im Wandel“: Nadine Abou Zaki, Gründerin des New Arab Women Forum, zu Gast in Hamburg und Berlin

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v.l.n.r.: Minou Amir-Sehhi, Nadine Abou Zaki © Körber-Stiftung/Claudia Höhne

Während der arabischen Revolutionen sind viele Frauen auf die Straße gegangen, auch um für mehr Geschlechtergerechtigkeit zu demonstrieren. Wie steht es heute um die Rechte der Frauen in der arabischen Welt? Was hat sich verändert durch den „Arabischen Frühling“? Und vor welchen Chancen, aber auch Herausforderungen stehen Frauen zwischen Rabat und Riad? In Kooperation mit der Körber-Stiftung organisierte die DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. am 10. Dezember 2013 eine Veranstaltung zum Thema „Aufstand der Frauen? Emanzipation auf Arabisch“ in Hamburg. Fernsehjournalistin Minou Amir-Sehhi diskutierte mit Nadine Abou Zaki, Gründerin des New Arab Women Forum und Chefredakteurin der Frauenzeitschrift „Al Hasnaa Magazine“ über die Rolle der Frau vor und nach dem sog. „Arabischen Frühling“.
Am 11. Dezember 2013 lud die DAFG e.V. zu einem Vortrag von Nadine Abou Zaki zum Thema “The New Arab Women Forum: The transforming role of Arab women and its future impact on society” in die DAFG-Geschäftsstelle in Berlin ein. DAFG-Viezpräsident Houssam Maarouf begrüßte die Mitglieder und Interessierte zu der Veranstaltung.

Hamburg: Aufstand der Frauen? Emanzipation auf Arabisch

„Ohne die Frauen hätten die Revolutionen in der arabischen Welt nicht stattfinden können“, so Abou Zaki gleich zu Beginn des Gesprächs mit Fernsehjournalistin Amir-Sehhi in Hamburg. Gleichzeitig sei in den weiteren politischen Entwicklungen derzeit eine Marginalisierung der Frauen zu verzeichnen. Als Beispiel nannte sie Ägypten, wo der Anteil der Frauen im Parlament von zwölf auf zwei Prozent gesunken sei. Für eine komplette Einschätzung über die Änderungen, die sich durch den sog. „Arabischen Frühling“ für die Frauen ergeben hätten, sei es allerdings noch zu früh.
Ein wichtiger Aspekt bei der Diskussion um die Rolle der Frau sei auch, dass die Frauen in der arabischen Welt oft vom Westen als homogene Einheit wahrgenommen würden. Doch gerade die Pluralität sei wichtig.
Abou Zaki betonte auch die Bedeutsamkeit der wirtschaftlichen Rolle der Frauen: Während die Anzahl der Frauen mit Studienabschluss immens gestiegen sei, bedeute dies nicht automatisch, dass sich dadurch die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen erhöht hätte. Gesetze, wie beispielsweise eine Einschränkung der Bewegungs- und Reisefreiheit oder die Einschränkung finanzieller Freiheiten würden diese Entwicklung hemmen.
Zwar hätte es bereits einige kleine Fortschritte im Bereich der Frauenrechte gegeben, gleichzeitig mahnte sie: „Änderungen brauchen Zeit“. Daher müssten Frauen weiterhin für ihre Rechte kämpfen.

Einen ausführlichen Bericht zu dieser Veranstaltung finden Sie auf der Internetseite der Körber-Stiftung. Hier steht auch ein Video-Mitschnitt von der Veranstaltung zur Verfügung.

Berlin: “The New Arab Women Forum: The transforming role of Arab women and its future impact on society”

Notwendigkeit von differenzierten Perspektiven
Unser Denken bleibe mit Blick auf die Rolle der arabischen Frauen zu oft in Stereotypen und Klischees verhaftet. Sehr treffend stellte Frau Abou Zaki gleich zu Beginn des Vortrags die Frage nach Definition und Identität der „arabischen Frau“. Eine derart allgemeine Begrifflichkeit greife viel zu kurz. „Many countries, many arab women“ – Gerade angesichts der komplexen Transformationsvorgänge innerhalb der gesamten Region, dürfe man nicht in Pauschalisierungen verfallen, sondern müsse deutlich stärker differenzieren.

Plattform für Debatte und Dialog

Genau diesen übergreifenden und differenzierten Dialog möchte das New Arab Women Forum (NAWF), das 2007 gegründet wurde, schaffen. Das NAWF dient dabei als Plattform für ein Zusammentreffen und für gegenseitigen Austausch über die sich verändernde Rolle der Frau im politischen und kulturellen Prozess der gesellschaftlichen Transformation. Das NAWF sieht sich nicht als aktivistische Bewegung, sondern möchte vielmehr über einen differenzierten Dialog Gedanken- und Entscheidungsfreiheit schaffen. Gerade in Zeiten eines sich verändernden Gesellschaftsbildes erscheine die Existenz eines solchen Forums notwendig, so Abou Zaki.

„Arab spring: societes are ready for change“
Seit 2007 fand das Forum, beginnend in Dubai und seit 2008 in Beirut, einmal jährlich statt. Es setze damit den Weg des kontinuierlichen Fortschritts in der gesamten Region fort. An mehreren Beispielen, wie der überregionalen Konferenzen zur Rolle der Frau in Djidda und Beirut, illustrierte Abou Zaki den zu beobachtenden Entwicklungsprozess, der, zumindest partiell, „willingness to reform and a desire of change“ feststellen ließe. Jedoch könne sich derartiges nicht von heute auf morgen vollziehen. Fortschritte und Rückschläge gingen noch zu oft Hand in Hand. Der „Arabische Frühling“, als Konsequenz eines langfristigen Prozesses, habe die Bereitschaft der verschiedenen Staaten und Gesellschaftsentwürfe eindeutig, wenn auch auf teils drastische Weise, artikuliert und könne so nur als Chance verstanden werden. Die Rolle der Frau dürfe jedoch nicht mehr nur als eine Kategorie unter vielen betrachtet. Vielmehr müsse sie als Teil ihrer jeweiligen Gesellschaft gesehen werden. Ein gesamtgesellschaftlicher Fortschritt wirke sich auch auf die Frauenrolle aus.

Ein Prozess zwischen Fort- und Rückschritt
Weiter ging Abou Zaki auf die Schwierigkeiten und Hindernisse des Prozesses ein. Ein Anfang sei mit den sehr erfolgreichen bisherigen Veranstaltungen des Forums gemacht, doch werde noch mehr Kontinuität benötigt. Im Spannungsfeld von Tradition und Moderne müsse sich die Frau einerseits vorsichtig, aber auch bestimmt und engagiert bewegen und ihre Ansprüche klar formulieren. Die Arbeit des Forums ziele zudem auf den Aufbau einer Community ab, um nach und nach auch auf die öffentliche Meinung einzuwirken und damit das Image der Frau nachhaltig zu verändern – „active, productive, creative“. Sie hoffe dabei auch auf eine Art „Schneeballeffekt“, um andere Frauen zu animieren und zu inspirieren, sagte Nadine Abou Zaki. Zudem wolle das „New Women Arab Forum“ als eine Art Brücke die Debatte und den Dialog zwischen Europa und dem Nahen Osten fördern.

DAFG-Geschäftsführer Jürgen Steltzer bedankte sich bei Nadine Abou Zaki für den Vortrag und leitete zu einer regen und produktiven Frage- und Diskussionsrunde über. In dieser wurde noch einmal speziell auf die Arbeit des Forums eingegangen und verschiedene Ansätze sich der Thematik zu nähern und einen Fortschritt zu erzielen lebhaft diskutiert.

Weitere Beiträge über den Besuch von Nadine Abou Zaki in Hamburg und Berlin finden Sie hier:

Brigitte.de, "Arabischer Frühling: Was hat er den Frauen gebracht" - Interview mit Nadine Abou Zaki, Artikel vom 10.12.2013

Körber-Stiftung, "Aufstand der Frauen? Emanzipation auf Arabisch?", Bericht vom 10.12.2013

Bilder Hamburg-Veranstaltung: Körber-Stiftung / Claudia Höhne

Bilder Berlin-Veranstaltung: DAFG e.V.

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