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Vorstellung eines Wahl-O-Mats für den Jemen durch Marburger Studierende

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v.l.n.r.: Sophia Stappel und Dana Abdel Fatah

Aus dem Jemen erreichen uns in letzter Zeit kaum positive Neuigkeiten: Die politische Situation ist weiterhin kompliziert und konfliktbeladen. Dennoch begann mit der seit März dieses Jahres laufenden Konferenz des „Nationalen Dialogs“ ein Prozess, der viele hoffen lässt: Ziel ist der Aufbau eines neuen Staatssystems, basierend auf einem möglichst breiten Konsens. Im Vorlauf zu den derzeit für Februar 2014 angesetzten Parlamentswahlen, entwickelte eine fünfköpfige Gruppe Studierender der Marburger Orientwissenschaften eine Art „Wahl-O-Mat“ für den Jemen. Ihren Prototyp stellten sie am 20. November 2013 der jemenitischen „Youth Lobby Group for Parliament“ vor, die zu einem Workshop zu Demokratie und politischer Partizipation in Berlin zu Gast war. Die Präsentation mit anschließender Diskussionsrunde fand in den Berliner Geschäftsräumen der DAFG – Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft e.V. statt. DAFG-Geschäftsführer Jürgen Steltzer begrüßte die jemenitische Gruppe und übergab das Wort an Dana Abdel Fatah und Sophia Stappel, die das Projekt stellvertretend für ihre Gruppe vorstellten. 

Einfaches und weitverbreitetes  Konzept

Vor ca. zwei Jahren entstand die Idee, einen „Wahl-O-Mat“ für den Jemen zu erstellen. Gemeinsam mit drei KommilitonInnen entwickelten die beiden Studierenden al-Mustaschār (arab.: Der Berater). Das Konzept einer solchen „Voting Advice Application“ ist denkbar einfach: Dem Nutzer werden auf einer Internetplattform nacheinander möglichst kontroverse Thesen zu verschiedenen Bereichen vorgelegt, zu deren Beantwortung ihm drei Möglichkeiten offen stehen (stimme zu, neutral, stimme nicht zu). Nach dem Durchlauf werden seine Antworten mit den Statements der Parteien abgeglichen und die prozentuale Übereinstimmung zwischen Nutzer und Partei ermittelt. Politisch Interessierte können sich so überblicksartig mit Parteiprogrammen auseinandersetzen und bekommen gleichzeitig eine Hilfe zur Wahlentscheidung. Im Nahen Osten kam dieses Konzept erstmals 2005 im Irak zur Anwendung, später unter anderem auch in Ägypten und Tunesien. Nach Ansicht der Studierenden bot der Jemen günstige Bedingungen für das Projekt, da trotz der komplizierten Lage ein Mehr-Parteien-System existiert. Zudem erhoffen die sich die Studentinnen, dass der „Wahl-O-Mat“ einen Schub für die politische Partizipation im Jemen bedeuten könne.

Schwieriger Entwicklungsverlauf, geprägt durch aufwendige Recherche


Bei der Schilderung des zeitintensiven Entwicklungsprozesses räumten die beiden Studierenden etliche Probleme ein. Die unübersichtliche politische Struktur habe das Verfahren enorm erschwert. In aufwendiger Recherchearbeit, bei der sie renommierte Jemen-Experten konsultierten und vom Yemen Polling Center unterstützt wurden, wählte die Gruppe acht Parteien aus und stellte einen Thesenkatalog zusammen. Anschließend versuchten die Studenten über die NGO „Resonate Yemen!“ an jene Parteien heranzutreten. „Das war sicherlich die schwierigste Phase“, so Sophia Stappel. Erst nach teils monatelanger Wartezeit reagierten drei Parteien auf die Anfrage. Einige weitere konnten durch telefonischen Kontakt erreicht werden, aber in drei Fällen mussten die Studenten auf recherchiertes Material zurückgreifen und die Standpunkte selbst erstellen. „Dies bedeutet ein großes Risiko, dessen sind wir uns bewusst.“ Die vorgestellte Beta-Version beinhalte nun zwanzig Thesen, die möglichst strittige Themen, wie die Frage nach dem den Umgang mit saudi-arabischen Finanzmitteln oder der Einführung eines Mindestalters für Eheschließungen, bündeln.

Lebhafte und produktive Diskussion


Nach der Vorstellung des Projekts konnte ein Mitglied der jemenitischen „Youth Lobby Group for Parliament“ den „Wahl-O-Mat“ direkt ausprobieren. Dieser Testdurchlauf leitete schwungvoll in eine sehr rege und kontroverse Diskussion über, geprägt durch ein generell positives Feedback, aber auch konstruktive Kritik. "Potenziell sehr, sehr hilfreich", sagte etwa Abdulsalam Ahmed Albebeli, Journalist. Während Naylaa Saad, eine von drei Frauen in der jemenitischen Gruppe, die Ausgewogenheit der Themenbereiche lobte, klang bei Abdulsalam Alrubaidi, Literaturwissenschaftler, noch Skepsis an, "Vor allem die rudimentäre Internetversorgung im Jemen könnte ein Problem darstellen." Zurück blieb viel Positives und man plant auch zukünftig weiter in Kontakt zu bleiben und das Projekt weiter zu verbessern.

Weitere Beiträge über die Vorstellung des "Wahl-O-Mats" in der Presse finden Sie hier:

DW-Video (arabisch)
DW-Online (arabisch)

 


 

 

 

 

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