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Wie islamisch ist der Arabische Frühling? – Tariq Ramadan und Ruprecht Polenz MdB im Gespräch mit Jörg Lau

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Tariq Ramadan (Foto: Marc Darchinger)

„Wie islamisch ist der Arabische Frühling?“ – über diese Frage diskutierten am 26. April 2012 auf Einladung der Körber-Stiftung, der DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. und des  Allianz Stiftungsforums Tariq Ramadan, einer der führenden muslimischen Intellektuellen Europas und gegenwärtig Professor für Contemporary Islamic Studies an der Oxford University, und Ruprecht Polenz MdB, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag. Moderiert wurde die Diskussion von Jörg Lau, Außenpolitik-Experte und Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Vor dem Hintergrund des Arabischen Frühlings waren sich die Diskutanten einig, dass Grundprinzipien der Demokratie und des Rechtsstaates das Fundament für die neue staatliche Ordnung in den Transformationsstaaten der arabischen Welt bilden sollten. Einigkeit herrschte auch darüber, dass die Politik des Westens gegenüber der Region nur dann nachhaltige Erfolge erzielen könne, wenn sie Werte und Interessen in Einklang bringe. Dazu sei es wichtig, sich im Hinblick auf die neuen politischen Kräfte in den Transformationsstaaten nicht von pauschalen Schlagworten leiten zu lassen. So würden unter dem Begriff „Islamisten“ häufig sehr unterschiedliche politische Bewegungen subsummiert, die AKP in der Türkei, die  ägyptischen Muslimbrüder ebenso wie salafistische Organisationen. Hier gelte es, stärker zu differenzieren.

Die Wahlerfolge der islamisch geprägten Parteien in den Transformationsstaaten wurden in erster Linie darauf zurückgeführt, dass sie durch ihren Widerstand gegen die jeweiligen Diktaturen strukturelle Vorteile und vor allem Glaubwürdigkeit erworben hätten. Der hohe Zuspruch für salafistische Parteien indessen sei nicht zu erwarten gewesen, zumal die Salafisten sich in der Vergangenheit als eher unpolitisch definiert hätten.

Ausgelöst worden seien die Umbrüche in der Region von jungen, internetaffinen Menschen ohne Führungsstruktur, die sich nicht ohne Weiteres den Kategorien „säkular“ und „islamisch“ zuordnen ließen. Man müsse sich vor Augen halten, so Tariq Ramadan, dass diese jungen Leute aus einer vorwiegend muslimischen Gesellschaft kämen. Grundsätzlich sei der Begriff „Säkularismus“ in der arabischen Welt – anders als in Europa – negativ konnotiert und werde mit den korrupten alten Regimen assoziiert, die sich als „säkular“ verstanden hätten. Die Unterstützung des Westens für die autokratischen Regime hätte dazu geführt, dass westliche Staaten oft als Komplizen der Diktatoren angesehen würden.

Im Anschluss an das Gespräch von Tariq Ramadan und Ruprecht Polenz MdB mit Jörg Lau entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit dem buntgemischten Publikum. Die Veranstaltung im Rahmen der Berliner Stiftungswoche stieß auf großes Interesse und war mit über 500 Gästen komplett ausgebucht. Insbesondere junge Muslime aus Berlin nutzten diese Chance des Austausches mit Professor Ramadan.

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