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Ahmad Al-Shaikh, Al Jazeera, zur Rolle Al Jazeeras bei den aktuellen Umbrüchen in der arabischen Welt bei der DAFG

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Am 9. Juni 2011 war Ahmad Al-Shaikh, ehemaliger Chefredakteur von Al Jazeera, zu einem Diskussionsabend unter dem Titel "Politics and the Media: Al Jazeera and the Upheaval in the Arab World" zu Gast bei der DAFG. Der Deutschlandbesuch Al-Shaikhs wurde zusammen mit der Körber-Stiftung realisiert, bei der er am Vorabend im Rahmen des KörberForums in Hamburg sprach.
Nach einer Begrüßung der Gäste durch DAFG-Geschäftsführerin Susanne Weiß wurde die Diskussion vom Journalisten und Islamwissenschaftler Albrecht Metzger moderiert, der anhand von geschickten Fragen Ahmad Al-Shaikh die wichtigsten Aspekte der Arbeit Al Jazeeras und ihre Bedeutung in den arabischen Ländern darstellen ließ.

Auf die Frage, was der wichtigste Unterschied Al Jazeeras zu anderen Nachrichtensendern sei, antworte Al-Shaikh, dass es bei Al Jazeera um echte Nachrichten gehe und der wichtigste Aspekt einer Nachricht die menschliche Geschichte dahinter sei; Katastrophenbilder also genauso wie Berichte über Korruption gesendet werden müssten. Da der investigative Journalismus gerade am Verschwinden sei, müsse man wenigstens reale Geschichten zeigen und nicht staatliche Propaganda, unkritische regimenahe Meldungen oder Infotainment senden.
Ein weiteres wichtiges Merkmal von Al Jazeera sei, dass Pluralismus innerhalb der arabischen Welt erst durch den Sender überhaupt möglich geworden sei, da es vor Al Jazeera keine arabischen Sender gegeben habe, die Kritik an Machthabenden oder supranationalen Organisationen wie dem Rat der Liga der Arabischen Staaten, der OIC – Organisation Islamische Konferenz oder dem GCC – Golfkooperationsrat zu senden gewagt hätten. Al Jazeera hingegen habe die Menschen erst daran gewöhnt, dass es legitim sei, eine andere Meinung als die allgemein vorherrschende zu haben, dass es möglich sei, Kritik zu äußern, und habe somit mitgeholfen, ein Bewusstsein für Missstände zu entwickeln. Die Funktion, die Facebook und anderen sozialen Netzwerken heute zukäme, habe Al Jazeera in den letzten Jahren innegehabt und immer noch inne.

Die Frage, ob er bzw. die Macher von Al Jazeera die Aufstände haben kommen sehen, beantwortet er mit den Worten, dass es zwar Anzeichen gegeben habe, es aber anmaßend sei zu behaupten, sie hätten es in dieser Form voraussehen können.
Kritik äußerte er an der kurz nach der ägyptischen Revolution im Westen aufgekommenen Angst, dass nun die Islamisten die Macht übernehmen würden. Diese Angst sei übertrieben und die Realitäten in den arabischen Gesellschaften sprächen eine ganz andere Sprache, da das Thema dort einen viel geringeren Stellenwert habe.

Auf den Vorwurf, Al Jazeera würde in manchen Ländern die Aufstände anstacheln, hätte sich in Bahrain jedoch auffallend zurückgehalten, gab Al-Shaikh zu bedenken, dass Bahrain die Aufmerksamkeit bekommen habe, die der Wichtigkeit der dortigen Aufstände entsprochen habe, dass aber Aufstände in Ägypten oder Syrien natürlich von einem viel höheren öffentlichen Interesse seien als Aufstände in Bahrain oder einem anderen „Rand-Staat“. Die Schlüsselländer in der arabischen Welt seien Saudi-Arabien, Ägypten und Syrien, also werde ihnen auch eine andere Aufmerksamkeit und ggfs. ein höherer Anteil an Sendezeit zuteil.
Als gesteuerte Kampagne gegen bestimmte Regierungen sehe er das aber nicht, wenn es auch von manchen Kritikern Al Jazeeras so gedeutet werde und er auch verstehe, warum das so gesehen werden könne. Allerdings gebe es durchaus Berichte wie z.B. den über die Selbstverbrennung Mohammed Buazizis in Tunesien, über die Geschehnisse auf dem Tahrir-Platz in Kairo oder die Folterbilder des syrischen Jungen, die immer wieder in Wiederholung gezeigt würden, weil sie eben in der momentanen Situation von fundamentalem Interesse seien.

In der Diskussionsrunde kamen noch viele weitere spannende Fragen aus dem Publikum auf und  besonders am Herzen lag Al-Shaikh der Hinweis, dass Al Jazeera in der Tat im Hinblick auf Minderheitenrechte und die Gleichberechtigung von Frauen noch mehr tun könne und müsse. Auch dass Al Jazeera eben nicht nur für Araber, sondern für alle Menschen gemacht werde, weshalb es ja auch einen englisch- und einen bosnischsprachigen Kanal gebe – während das türkischsprachige Al Jazeera voraussichtlich Ende 2011 auf Sendung gehen werde – war ihm wichtig zu betonen.

Für viele der Gäste bot der Abend daher sicherlich spannende Einblicke und anregenden Gesprächsstoff.

Den Bericht und den Podcast der Veranstaltung der Körber-Stiftung in Hamburg finden Sie hier.

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