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"Augengedächtnis": Lesung mit Sana Mukarker-Schwippert

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Schon zum zweiten Mal war die Autorin Sana Mukarker-Schwippert in der DAFG – Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft e.V. zu Gast. Am 26. November 2025 stellte sie ihr neues Buch Augengedächtnis und las eine Auswahl ihrer 50 Kurzerzählungen. DAFG-Referentin für Bildung, Kultur & Wissenschaft, Isabell Achterberg, trug die deutsche Übersetzung vor; musikalisch begleitet wurde der Abend von Musiker Husam Al-Ali auf der Oud. 

Augengedächtnis ist schon Sana Mukarker-Schwipperts zweites Buch, nach Wäre die Erde schön, wäre Gott nicht im Himmel, das sie 2019 erfolgreich in der DAFG e.V. vorgestellt hatte. Ihre neuen Geschichten in Augengedächtnis erzählen poetisch, einfühlsam und oft humorvoll von Einsamkeit und Abschieden, von Scheitern und Verlust, aber auch von den vielen kleinen Siegen der Menschlichkeit im anonymen Großstadtalltag. 

Geschichten aus dem Alltag Aufmerksamkeit schenken

Inspiration für ihre Geschichten findet Mukarker-Schwippert in den zahlreichen Begegnungen im Alltag – viele flüchtig, zufällig. Sie spiegeln Mukarker-Schwipperts kluge, scharfsinnige Beobachtungen ihrer Mitmenschen, ihrer Umgebung oder der Natur wider und entstehen im Moment - in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Cafés. Oft sind es aber auch die kleinen Geschichten und Lebensgeschichten ihrer Mitmenschen, die sie sammelt und auf die ihr eigene Weise neu erzählt. Ein bewusster kreativer Prozess: Mit ihren Erzählungen möchte Mukarker-Schwippert diese Geschichten vor dem Vergessen bewahren, ihnen und den Menschen dahinter Aufmerksamkeit verschaffen, die Bedeutung individueller menschlicher Erfahrung – und mag sie noch so flüchtig und scheinbar unwichtig sein – hervorheben.

Zwischen Heimatverlust und neuer Heimat

Aber ihre Geschichten durchzieht auch immer eine fast herbstliche Melancholie, ein Gefühl der Fremdheit und geradezu poetisches Frösteln angesichts des Lebens in Deutschland. Denn Sana Mukarker-Schwippert wurde in Bethlehem, in Palästina geboren, studierte englische Literatur und Erziehungswissenschaften, unterrichtete Englisch in Deutschland und im Ausland bevor sie mit ihrer Familie nach Berlin zog, wo sie als Journalistin arbeitet. Mit eindringlichen, aber nie aufdringlichen Bildern vermittelt sie Leserinnen und Lesern subtil das Gefühl eines Lebens zwischen verschiedenen Kulturen, zwischen Fremdheit und Dazugehören, Heimatverlust und neuer Heimat. Sie ist die „Frau aus dem Heiligen Land“, wie eine ihrer Geschichten betitelt ist, die von einem fast schon mystischen Ort kommt, deren Name für den deutschen Mund auch nach Jahren noch schwer auszusprechen bleibt und die der Gesellschaft, in der sie lebt, auch immer ein wenig den literarischen Spiegel vorhält. 

Im Zusammenspiel von arabischen Originaltexten, deutschen Übersetzungen und den kongenialen Improvisation des Oud-Spielers Husam Al-Ali, konnte Sana Mukarker-Schwippert dieses Gefühl, die Atmosphäre ihrer Geschichten für die zahlreichen Zuhörer und Zuhörerinnen erfahrbar und fühlbar machen. Und so verwundert es nicht, dass im Anschluss an die Lesung viele der Gäste die Autorin ermutigten, weiterzuschreiben und auf ein drittes Buch hofften. Eine Hoffnung, die nicht unbegründet ist – über dreihundert schon geschriebene Geschichten warten noch darauf, veröffentlicht zu werden und sicherlich unzählig mehr Geschichten von Sana Mukarker-Schwippert klug, scharfsinnning und poetisch geschrieben zu werden. 

Augengedächtnis, übersetzt von Leila El Dsoki, Tuschezeichnungen von Stephan Fiedler, Ilex Verlag, 2024.
Wäre die Erde nicht schön, wäre Gott nicht im Himmel. Keine kleinen Geschichten, AphorismA Berlin, 2019. 


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