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Live aus Kairo: Interview mit S.E. Ahmed Aboul Gheit

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S.E. Ahmed Aboul Gheit ist seit 2016 Generalsekretär der Arabischen Liga und war von 2004 bis 2011 Außenminister der Arabischen Republik Ägypten. Als hochrangiger Diplomat und Politiker ist er seit Jahrzehnten am Puls der außenpolitischen Entwicklungen und Krisen in der MENA-Region und verfügt über einen einmaligen Erfahrungsschatz, der die jüngere Geschichte Ägyptens und der Staaten der Arabischen Liga widerspiegelt. Vor diesem Hintergrund hatte die DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. am 23.11.2021 die große Ehre, ein exklusives Interview mit dem Generalsekretär aus der Zentrale der Arabischen Liga live für ein deutsches und internationales Publikum zu übertragen. DAFG-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Udo Steinbach sprach in Kairo mit S.E. Ahmed Aboul Gheit über dessen Memoiren „Witness to War and Peace: Egypt, the October War, and Beyond“, die Rolle der Arabischen Liga in der Weltpolitik und aktuelle Entwicklungen in der MENA-Region. Die Veranstaltung bot den Zuschauerinnen und Zuschauern außergewöhnliche Einsichten in die bewegte außenpolitische Geschichte Ägyptens seit den 1970er Jahren und in sicherheits- und außenpolitische Ereignisse in der Region.

Der Oktoberkrieg von 1973

Zu Beginn des Interviews sprachen Prof. Dr. Udo Steinbach und S.E. Ahmed Aboul Gheit über den Oktoberkrieg von 1973, den Steinbach als „Meilenstein der jüngeren Geschichte Ägyptens“ bezeichnete. Der Generalsekretär, der zu dieser Zeit für Hafez Ismail, nationaler Sicherheitsberater des ägyptischen Präsidenten Al-Sadat, arbeitete, sprach zunächst über das politische Klima vor Beginn des Krieges und die israelische Besetzung der Sinaihalbinsel nach dem Sechstagekrieg 1967. In dieser Hinsicht sei das politische Ziel Ägyptens die Wiederherstellung der Souveränität über den gesamten Sinai gewesen. Präsident Al-Sadat habe zunächst versucht, dieses Ziel mit diplomatischen Mitteln zu erreichen. Gleichzeit habe Ägypten aber sein militärisches Potential erhöht, um die Wiederherstellung der Souveränität notfalls auf diesem Wege zu erreichen. Diplomatisch habe es u.a. Versuche gegeben, die guten Beziehungen zu Israel seitens Josip Broz Tito, Nicolae Ceaușescu oder der USA für eine politische Lösung und Mediation zu nutzen – jedoch ohne Erfolg. Al-Sadat sei daher zu dem Entschluss gekommen, militärisch vorzugehen, um seine politischen Ziele zu erreichen und Verhandlungen zu erzwingen. Die militärische Zielvorgabe Ägyptens sei es gewesen, den Suezkanal zu überschreiten und einen 10 Meilen weiten Landstrich zu erobern und anschließend zu halten.

Die Sadat-Initiative und Friedensgespräche

Der Fokus des Gesprächs richtete sich anschließend auf den Beginn der Friedensverhandlungen zwischen Ägypten und Israel. Aboul Gheit sprach über den berühmten Besuch Anwar Al-Sadats in Jerusalem im November 1977, bei dem der ägyptische Präsident den israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin zu ersten Gesprächen traf. Laut dem Generalsekretär nahm Al-Sadat mit diesem Besuch ein großes Risiko auf sich, das oftmals nicht ausreichend gewürdigt werde. Trotz Jahrzehnten der Auseinandersetzungen und des bewaffneten Konflikts sowie erheblichen Vorbehalten in den arabischen Staaten habe er beschlossen, selbst nach Jerusalem zu reisen und Israel „einen Olivenzweig“ als Zeichen des Friedens zu reichen. Ein anschließendes Gipfeltreffen der beiden Politiker in der ägyptischen Stadt Ismailia sei aber zunächst ohne Ergebnis geblieben. Für Ägypten seien die Vorschläge Israels, welche die ägyptische Souveränität des Sinai betrafen, nicht akzeptabel gewesen.

Die Intervention von US-Präsident Jimmy Carter habe den Weg  zu weiteren Gesprächen der Konfliktparteien geebnet, die zu den bekannten Camp-David-Verhandlungen, an denen Aboul Gheit im Team des damaligen ägyptischen Außenministers teilnahm, und dem Camp-David-Abkommen vom 17. September 1978 führten. Der Generalsekretär merkte vor diesem Hintergrund an, dass für Al-Sadat die Rechte der Palästinenser eine große Rolle gespielt hätten. So habe er sich immer für das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser eingesetzt und einen bloßen Autonomiestatus abgelehnt. Abschließend hielt er fest, dass insbesondere die Fähigkeit, Entwicklungen vorherzusehen, die andere Politiker zu dieser Zeit nicht verstanden oder gesehen hätten, die Größe Al-Sadats ausgemacht habe.

Herausforderungen in der MENA-Region

Im Gespräch kamen neben der Diskussion der Memoiren Aboul Gheits auch aktuelle außenpolitische Entwicklungen in der Region wie z.B. die Abraham Accords zur Sprache. Der Generalsekretär machte dabei auch auf die Gefahr einer „Explosion“ der Situation in den palästinensischen Gebieten aufmerksam, sollte es nicht zu einem vollumfänglichen Friedensprozess kommen. In der Konsequenz würden dann Palästinenser, Israelis und die ganze Welt leiden. Er appellierte, dass die momentane Situation nicht einfach so weitergehen könne. 

Die Arabische Liga und die Europäische Union

Der Generalsekretär lobte auch die guten Beziehungen der Arabischen Liga zur Europäischen Union. Er betonte insbesondere den Erfolg der Union für den Mittelmeerraum und den Barcelona-Prozess, der den außenpolitischen Dialog der EU mit ihren Nachbarländern im südlichen Mittelmeerraum seit 1995 prägt. Er erwähnte außerdem das Gipfeltreffen der EU und der Liga der Arabischen Staaten in Sharm El-Sheikh im Jahr 2019 und darauffolgende Treffen und Dialogforen. Er machte auf Nachfrage deutlich, dass sich die Arabische Liga nicht an der Organisationsform der  EU orientiere, da beiden Organisationen eine andere Philosophie zugrunde läge. Die Arabische Liga sei ein koordinierendes Organ, welches die arabischen Staaten zusammenbringe. Der Weg der EU sei es auf der anderen Seite, den politischen und wirtschaftlichen Raum der Mitglieder zusammenzuführen und zu vereinheitlichen. Aboul Gheit würdigte am Ende des Interviews außerdem die deutsch-arabischen und die deutsch-ägyptischen Beziehungen, die er als „exzellent“ bezeichnete.

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