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"Refugees Welcome": Berliner Perspektiven

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Am Mittwoch, den 18. November 2015, veranstaltete die DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. in Kooperation mit der Berliner Stadtmission eine Diskussionsveranstaltung in der Flüchtlingsnotunterkunft in Moabit. Dabei wurden gemeinsam Chancen und Herausforderungen für geflüchtete Menschen diskutiert. Die Diskussion mit dem Titel „Refugees Welcome – Perspektiven aus Berliner Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft“ wurde von Juliane Schäuble (Ressortleiterin Politik, Der Tagesspiegel) moderiert. Podiumsteilnehmer bei der Veranstaltungen waren Mathias Hamann (Leitung Notunterkunft der Berliner Stadtmission), Ernes Erko Kalač (Beauftragter für Flüchtlinge und Sport des Zentralrates der Muslime in Deutschland), Jamal El Moghrabi (Geschäftsführer Deutsch-Arabische unabhängige Gemeinde e.V.), Özcan Mutlu (MdB, Sprecher für Bildungspolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen) und Christian Wiesenhütter (stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin). In der Notunterkunft in Moabit entstand ein anregender Meinungsaustausch zur aktuellen Flüchtlingssituation, insbesondere in Berlin, zwischen DAFG-Mitgliedern, Gästen und Geflüchteten.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch DAFG-Vizepräsident Houssam Maarouf. Er bedankte sich bei der Berliner Stadtmission für die gute Zusammenarbeit und stellte die Podiumsdiskussionsteilnehmer vor – im Anschluss übersetzt von Dolmetscher Achmed Khammas, der während der gesamten Diskussion alle Statements und Fragen konsekutiv ins Arabische übersetzte.

Eine gelungene Integration?

Juliane Schäuble eröffnete die Runde, indem sie die Podiumsteilnehmer nach ihrer Definition einer „gelungenen Integration“ fragte. Der Leiter der Notunterkunft, Mathias Hamann, definierte Integration als „Weg über eine Brücke, auf der Menschen sich entgegenkommen müssen“. Nach Meinung von Ernes Erko Kalač, er selbst ist vor 17 Jahren als Flüchtling nach Deutschland gekommen, ist gelungene Integration beendet, wenn Sprache, Kultur und Sport verstanden werden. Der Abgeordnete Mutlu betonte, dass die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden dürften. Seiner Meinung nach wurden grundlegende Fehler bei der Integration von Gastarbeitern gemacht. Man müsse sich auf die Bildung konzentrieren: „50 Prozent der Flüchtlinge derzeit sind unter 25 Jahre alt. Bildung ist daher alles.“ Christian Wiesenhütter ging bei seinem Statement vor allem auf die Chancen für den deutschen Arbeitsmarkt ein, auf dem momentan ein starker Fachkräftemangel zu beobachten sei. Jamal El Moghrabi begrüßte alle Gäste vorab auf Arabisch, bevor er betonte, Integration bedeute nicht Verschmelzung, sondern verlange vielmehr gegenseitiges Verständnis.

Der Alltag in den Notunterkünften

Auf die Frage Schäubles, wie der Alltag in der Notunterkunft in Moabit verlaufe und welchen Herausforderung man sich stellen müsse, lobte Hamann in erster Linie den Einsatz der freiwilligen Helfer, ohne die der Alltag in den Notunterkünften nicht zu bewältigen sei. „21.000 Geflüchtete haben insgesamt in den vergangenen Monaten in der Notunterkunft in Moabit Erstaufnahme erfahren, das sind ca. 45 Prozent der in Berlin registrierten Flüchtlinge“, so der Leiter der Notunterkunft. Hamann machte jedoch auch deutlich, dass er sich mehr strategische Planung seitens der Politik wünsche.
Der Beauftragte für Flüchtlinge und Sport des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD), Ernes Erko Kalač, betonte vor allem die Rolle des Sports, der im Alltag eine größere Rolle spielen sollte. „Ich sehe viel Energie, wenn ich mich hier umschaue“, so Kalač mit Blick auf die Kinder in der ersten Reihe. Dies sei ein Aspekt, den der ZMD sehr fördere, der zudem auch sehr aktiv in der Erstversorgung von Flüchtlingen in Deutschland sei.

Bildung als entscheidender Faktor

Auf die Frage Schäubles, was die Politik machen müsse, damit die vielen jungen Menschen, die unter den Geflüchteten sind, Teil unserer Zukunft werden, antwortete Christian Wiesenhütter, dass Bildung und das Aufzeigen von Perspektiven entscheidende Faktoren für die Zukunft seien. In den nächsten Monaten werden immer mehr Asylanträge bearbeitet sein. Im Anschluss daran finge der nächste Schritt an, indem Umschulungen und Weiterbildungen angeboten werden müssten. Außerdem seien Kooperationen mit Firmen für eventuelle Praktika ein wichtiger Schritt. Hierzu müsse mehr finanzielle Hilfe seitens der Regierung bereitgestellt werden, so Wiesenhütter. Auch die Grünen fordern von der Regierung, sich mehr für Bildungseinrichtungen und deren Projekte einzusetzen und diese zu auch finanziell zu unterstützen: „Mehr Investitionen in diesem Bereich sind dringend notwendig“, so Mutlu.

Einig waren sich alle Diskutanten darin, dass Bildung und Spracherwerb die wichtigsten Schlüssel für die Integration in Deutschland seien.

Ein Umfeld, das gemeinsames Diskutieren ermöglicht

Das Umfeld der Diskussion bot die einmalige Chance für Podiumsteilnehmer, Gäste und die in der Notunterkunft lebenden Geflüchteten, sich auszutauschen und dem Gegenüber Fragen zu stellen. So wurde in der anschließenden Diskussion die aktuelle Situation auch aus Perspektive der hier lebenden Geflüchteten betrachtet. Dazu wurden verschiedene Meinungen zu  Erwartungen in und an Deutschland gehört.

Im Zuge der Diskussion und Wortmeldungen bot Herr Moghrabi von der Deutsch-Arabischen unabhängigen Gemeinde persönliche Hilfe an und schlug vor, dass alle, die ein besonderes Anliegen haben nach der Veranstaltung zu ihm kommen könnten. Dies wurde von zahlreichen Familien angenommen und so entstand auch nach der Veranstaltung ein konstruktiver Austausch in persönlichen Gesprächen, an dem alle Podiumsteilnehmer beteiligt waren.

Die DAFG e.V. veranstaltet zahlreiche Veranstaltungen zu verschiedenen Themen der deutsch-arabischen Beziehungen. Die Podiumsdiskussion „Refugees Welcome – Perspektiven aus Berliner Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft“ fand im Rahmen des Arbeitsfeldes Politik statt.

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