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DAFG, Kultur, Bildung & Wissenschaft

DAFG e.V. unterstützt Workshops an Berliner Schule

Von arabischer Kalligrafie bis hin zu arabischer Musik: Am 27. Juni 2024 konnten Schülerinnen und Schüler der neunten

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Zweites Netzwerktreffen der DAFG-Arabischkurse für Lehrkräfte

Arabischkurse speziell für Lehrkräfte und Schulpersonal – das bietet die DAFG – Deutsch -Arabische

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DAFG, Politik

6. German-Arab Gulf Dialogue in Berlin

Am 10.-11. Juni 2024 fand in Berlin der sechste Deutsch-Arabische Golf-Dialog statt, organisiert von der DAFG –

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DAFG, Politik

Konrad-Adenauer-Stiftung mit einer Delegation jordanischer Nachwuchskräfte zu Gast bei der DAFG e.V.

Im Rahmen des „Dialogue Programme“ der Konrad-Adenauer-Stiftung, das unter dem Motto „Germany and Jordan: Between Crises

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Topografien von Flucht und Vertreibung

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Das verheerende Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet hat einmal mehr auch die Situation und Schicksale von Flüchtlingen in den Vordergrund treten lassen. Viele in ganz Europa verstreute Individuen und Familien kommen aus der Region oder haben Verwandte, die direkt betroffen sind. Leider wird im öffentlichen Diskurs noch immer primär von und über Menschen mit Fluchthintergrund gesprochen, wohingegen deren eigene Perspektive zu oft nicht stattfinden. Um den Betroffenen eine Plattform zu verschaffen, um von ihren Schicksalen und Erfahrungen zu erzählen und diese so einer breiteren Öffentlichkeit zugänglicher zu machen, hat Prof. Dr. Yafa Shanneik die Ausstellung „Topografien von Flucht und Vertreibung“ konzipiert, die im letzten Jahr an der Universität Würzburg zu sehen war. Im Rahmen der 25. DAFG Jour Fixe-Veranstaltung am 15. Februar 2023 stellte Prof. Shanneik das Ausstellungsprojekt und ihre Arbeit mit Geflüchteten vor und reflektierte unter anderem die Einbindung von „body mapping“ und „augmented reality“. Moderiert wurde die Veranstaltung von DAFG-Projektkoordinator Jan-Philipp Zychla.

Das Forschungsprojekt “Narratives of Displacement: Iraqi and Syrian Refugees in Europe and the Middle East” begann 2015 mit einem Fokus auf der Integration und den neuen Lebensverhältnissen von syrischen und irakischen Flüchtlingen in Großbritannien ab den 1980er Jahren sowie einem Vergleich mit der Situation in Deutschland seit 2015. Um die Forschungsergebnisse erfahrbar und die Perspektive der Geflüchteten zu stärken und sichtbar zu machen, nutzte Prof. Shanneik in Kooperation mit der britischen Künstlerin Rachel Gasden die Technik des sog. „body mapping“. Diese war in Südafrika für die Traumabewältigung von HIV-Patienten angewandt worden und bezeichnet hier großformatige Gemälde die Körperkonturen in Lebensgröße und im Kontext persönlicher Migrationsgeschichte mit Symbolen, Objekten, etc., abbilden. Im Kontext der Migrationserfahrung wird somit die Zentralität des Körpers hervorgehoben, der Einsatz von Kunst als Instrument der Traumabewältigung und als Kommunikationsmedium durch die Projektteilnehmerinnen ermöglicht sowie ein direkterer Zugang für Publikum und Öffentlichkeit geschaffen. 

Unterstützt von Gasden kreierten Gruppen von Frauen mit Fluchtgeschichte in Deutschland, Jordanien und dem Vereinigten Königreich in der Folge beeindruckende Gemälde voller Vielfalt und Emotionen, die zunächst in Großbritannien und später in Deutschland (Würzburg) ausgestellt wurden. Die Bilder reflektieren die ganz persönlichen Schicksale der Frauen und ihrer Familien und gehen auch auf Integrationsprozesse und deren Konsequenzen in den jeweiligen neuen Lebensumfeldern ein. Repräsentiert wird somit ein Einblick in die Gefühlswelten von Individuen, aber ebenso Veränderungen von Lebensweltstrukturen geprägt durch die Veränderung des Lebensraums und die Auswirkungen auf Beziehungen und Familie, da viele Frauen im Zuge der Migration neue Rollen eingenommen haben. Der künstlerische Prozess des „body  mapping“ in einem gemeinschaftlichen Umfeld eröffnet so Möglichkeiten, Gefühle und Perspektiven zu teilen.

Als „Co-Producer of Knowledge“ ermöglicht diese Herangehensweise den Projektteilnehmerinnen das selbstbestimmte (Mit-)Gestalten von Narrativen und damit einen Schritt in Richtung eines gesellschaftlichen Dialoges auf Augenhöhe. Die Ausstellung setzt Kunst ein, um Kanäle der Sensibilisierung zu öffnen und auch den politischen Diskurs hin zu einer realen Verbesserung der Lebenswelt der Migrantinnen und Migranten zu beeinflussen. 

Die immersive Wirkung der Gemälde wurde zudem mit der Technik der „augmented reality“ durch zusätzliche digitalisierte Informationen ergänzt. Durch eine App konnten Ausstellungsbesucherinnen und –besucher eine sekundäre Ebene der Bilder erschließen. Darüber hinaus entstanden durch die Nutzung von VR-Technologie mehrere Filme, die es den Zuschauerinnen und Zuschauern erlauben noch direktere Einblicke in den Alltag von Menschen mit Fluchthintergrund (bsw. das Wohnzimmer) durch deren individuelle Perspektive zu erleben. Ziel war es, das Verständnis für die gelebte persönliche Erfahrung der Migration zu stärken oder dazu überhaupt erst einen Zugang zu schaffen.

Insgesamt demonstriert das Projekt auch die Komplexität der Migrationserfahrung, die durch generalisierende Sprache („der“ Flüchtling“ oder die „unterdrückte muslimische Frau“) zu oft vereinfacht wird und zu einem von Stereotypen geprägten Diskurs führt, der der realen Lebenswelt nicht gerecht wird. Die Kraft und Stärke der individuellen Personen und Gruppen gezielt zu fördern und neue Möglichkeiten zu eröffnen sei eine große Aufgabe der Migrationspolitik, die von uns allen noch viel mehr erfordere, so Prof. Shanneik.

Prof. Dr. Yafa Shanneik ist aktuell Visiting Professor of Islamic Studies an der Universität Lund in Schweden und arbeitet an einem Projekt, das die Narrative transnationaler Ehen irakischer und syrischer Frauen erforscht, die seit den 1980 nach Europa und innerhalb des Nahen Osten emigriert sind. Ihr Buch „The Art of Resistance in Islam. The Performance of Politics among Shi‘i Women in the Middle East and Beyond” (Camebridge University Press) ist im letzten Jahr erschienen.

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