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Pop-up Ausstellung: "Ganz nah aber weit genug - Flüchtlinge im Libanon"

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Großformatige Momentaufnahmen treffen auf kleinformatige Alltagszenen, künstlerische Perspektive trifft auf journalistischen Blick: Zum ersten Mal präsentierte die DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. zwei Ausstellungen gleichzeitig. In Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. wurde am 7. März 2019 Pop-Up Ausstellung „Ganz nah, aber weit genug – Flüchtlinge im Libanon“ eröffnet. Sie wird nur für kurze Zeit neben der aktuellen DAFG-Ausstellung „Beirut – Stadt der Extreme“ zu sehen sein.

Auf dreizehn, teils doppelseitig bespannten, großen Paneelen zeigt die Ausstellung Fotos, die 2015 im Rahmen einer Recherchereise der Stipendiaten und Stipendiatinnen der Journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad- Adenauer-Stiftung entstanden sind. Die zehn jungen Journalisten und Journalistinnen hatten während der Reise zusammen mit libanesischen Nachwuchsjournalisten Flüchtlingslager besucht und mit Politikern, Vertretern der Zivilgesellschaft und Journalisten gesprochen. Die Eindrücke ihrer Reise dokumentierten sie auch fotografisch. Aus diesen Momentaufnahmen entstand die Ausstellung, die seit dem in ganz Deutschland gezeigt wird und doch nichts von ihrer Aktualität verloren hat.

Libanon: geprägt durch Flucht und Migration

Denn die Ausstellung rückt vor allem eins in den Fokus des Betrachters: die Migrationsbewegungen der letzten hundert Jahre, die den Libanon nachhaltig geprägt haben. Ob armenische Flüchtlinge, die in den 1920er und 1930er Jahren in den Libanon flohen, oder die geschätzt 455.000 palästinensischen Flüchtlinge, die infolge des israelisch-arabischen Krieges 1948 ihr Land verlassen mussten und seit dem im Libanon in zwölf Lagern leben, oder natürlich die über 1,5 Millionen Syrer, die vor dem Bürgerkrieg in den Nachbarstaat flohen – alle Geflüchteten haben in der libanesischen Gesellschaft ihre Spuren hinterlassen.  

Eine immense Herausforderung für das kleine Land, wie auch DAFG-Geschäftsführer Björn Hinrichs in seinem Grußwort betonte. Ein Zitat aus der Ausstellung sei ihm besonders ins Auge gefallen: „Sie brauchen einen sicheren Platz vor dem Krieg in ihrer Heimat. Doch 1,5 Millionen bringen uns an unsere Grenzen“. Wenn man das, so Hinrichs, aus Sicht des vergleichsweise kleinen Landes Libanon mit  6 Millionen Einwohnern höre und gleichzeitig sich vor Augen führe, welche Reaktionen eine ungefähr gleich große Anzahl an Geflüchteten in der ungleich größeren europäischen Wirtschaftsmacht Deutschland mit seinen rund 82 Millionen Einwohnern ausgelöst habe, gäbe das einem schon sehr zu denken. So könne der Titel der Ausstellung, „ganz nah, aber weit genug“ auch unsere Sicht auf den Libanon beschreiben, wie Hinrichs erklärte: Räumlich eigentlich Deutschland ganz nah, aber weit genug weg, dass man die Tatsache, dass im Libanon Geflüchtete mittlerweile ein Viertel der Bevölkerung stellen, ausblenden und weder die Leistung des kleinen Landes, noch die enorme Belastung, die mit den Flüchtlingsströmen der letzten 100 Jahre einherginge, wahrnehmen könne.

Wie unter dem Vergrößerungsglas: Migration im  Libanon aus journalistischer Perspektive

Das möchte die Ausstellung mit ihren intensiven Fotos ändern. Thomas Birringer, Teamleiter Naher Osten und Nordafrika der Konrad-Adenauer-Stiftung, unterstrich in seiner Begrüßung, dass die Ausstellung auch unseren Blick darauf richten soll, welchen Einfluss die Flucht- und Migrationsströme der letzten hundert Jahre auf die Zusammensetzung der libanesischen Bevölkerung hatte und noch hat und welche Rückschlüsse, Lösungen und Antworten man daraus für den eigenen Umgang mit Migration und Flucht ziehen könnte.

Zwei Ausstellungen, zwei Perspektiven: ein differenzierteres Bild des Libanon

Den Blick, die Aufmerksamkeit des Betrachters zu lenken gelingt der Ausstellung auf besonders effektive Weise. Während die  Ausstellung „Beirut – Stadt der Extreme“ in kleinformatigen, geradezu filigranen Aufnahmen des Beiruter Alltags das Thema Flucht und Migration subtil aus künstlerischer Perspektive fast nur andeutet, wirken die großformatigen Paneele der Pop-up Ausstellung wie ein Vergrößerungsglas, das das Thema ganz nah an den Betrachter heranholt und den Blick des Betrachters konzentriert auf die durch Flucht geprägten Schicksale der Bewohner Libanons lenkt. Die farbintensiven Nahaufnahmen und Collagen aus Alltagssituationen in den Flüchtlingscamps gewinnen gerade im Kontrast mit der laufenden Beirut-Ausstellung eine besondere Intensität, ziehen den Betrachter unwillkürlich in die Auseinandersetzung mit dem Schicksal der dargestellten Personen. Der journalistische Blickwinkel der Ausstellung wiederum eröffnet neue Perspektiven für den Betrachter –- beide Ausstellungen treten so miteinander in den Dialog, ergänzen sich gegenseitig und entwerfen ein differenziertes Bild des Libanons.  

Nach vier Jahren noch immer aktuell

Ein Bild, das durch Frank Windeck, Koordinator für Medien und Entwicklungspolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung, und Stipendiat und Journalist Mathias Birsens noch bereichert wurde. Während der Ausstellungseröffnung gaben beide während eines einführenden Gesprächs Einblicke in die Entstehung der Ausstellung, berichteten von ihrer Recherchereise und ihren Eindrücken. Dass die Ausstellung auch vier Jahre nach ihrer Entstehung noch aktuell und relevant ist, machte Matthias Birsens deutlich, der erst kürzlich die Orte wieder aufgesucht hatte, an denen die Bilder der Ausstellung entstanden. Es wäre, so Birsens, traurige Realität, dass die Situation der Geflüchteten noch immer dieselbe wäre wie vor vier Jahren.

Beide führten im Anschluss interessierte Gäste persönlich durch die Ausstellung und stellten sich beim anschließenden Empfang den zahlreichen Fragen der Gäste.

Die Ausstellungen sind noch bis Ende März in der DAFG e.V. während der Öffnungszeiten der Geschäftsstelle (montags bis freitags, 10:00 bis 17:00 Uhr) zu sehen. Um vorherige telefonische Anmeldung unter 030-2064 8888 wird gebeten.



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