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DAFG-Vortragsreihe „Geschichte und Gegenwart“: Prof. Dally zu Libyen

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Prof. Dr. Ortwin Dally

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Geschichte und Gegenwart“ hielt Prof. Dr. Ortwin Dally, der Generalsekretär des Deutschen Archäologischen Instituts, am 19. März 2009 in den Räumen der Geschäftsstelle der DAFG einen Vortrag über „Griechen, Phönizier, Römer, Einheimische. Die vormodernen Wurzeln Libyens.“

Begrüßt wurden Referent und Publikum von Prof. Wildung, Vizepräsident der DAFG. Er betonte, dass Libyen eines der in Deutschland weniger bekannten arabischen Länder sei, das aber eine wichtige Brücke zwischen Arabien und Afrika einerseits und dem Mittelmeer und Europa andererseits darstelle.

Prof. Dally betonte, dass Libyen auch eine Schnittstelle zwischen Ägypten auf der einen und Tunesien und dem Maghreb auf der anderen Seite gewesen sei. Nachdem es seinem Team gelungen ist, ein entsprechendes Abkommen mit den libyschen Behörden zu unterzeichnen, können die Grabungen und Feldforschungen in diesem Jahr nun tatsächlich beginnen.

In der Einleitung seines Vortrages ging Prof. Dally auf die geographischen Gegebenheiten Libyens näher ein: Das Land besteht zu 85% aus Wüste und es gibt nicht einen einzigen Fluss, was schon in der Antike zu Problemen mit der Wasserversorgung geführt hat. Dennoch gibt es Belege für Rinderzucht und Keramikherstellung, die sich auf ca. 8500 v. Chr. datieren lassen.

Dally berichtete in einem reich bebilderten Beitrag über die unterschiedlichen Ausprägungen der kulturellen Entwicklung in der Umgebung der ehemals griechischen Siedlungen in der Kyrenaika und der römischen Einflüsse in der Tripolitania.

Der Küstenstrich der Kyrenaika war schon viele Jahrhunderte vor der Gründung der griechischen Siedlungen mit Kyrene und anderen Orten von verschiedenen Stammesverbänden besiedelt. Die in Kyrene gut erhaltenen Ruinen wurden bereits ab 1911 von Italienern ausgegraben und teilweise rekonstruiert. Die Anlagen stammen aus der Zeit des Hellenismus. Eindrucksvolle Nekropolen (Grabanlagen) aus dem 6. Jh. v. Chr. zeugen von der Blüte der damaligen Kultur. Viele andere Informationen kann man bisher nur aus Luftbildern entnehmen wie z. B. die antiken Straßen, in denen sich manchmal sogar noch Räderspuren erkennen lassen, Gehöfte, Zisternen, Olivenpressen u.v.m.

Die Tripolitania, ursprünglich besiedelt von Berberstämmen und Tuareg, ist dagegen deutlich anders ausgeprägt. Sie wurde im 7. Jh. v. Chr. von den Phöniziern aus Karthago besiedelt. Im 5. Jahrhundert folgten nach den Römern die Vandalen und ab dem 6. Jahrhundert n. Chr. die Araber. In der Stadt Leptis Magna finden sich ein Theater, das um Christi Geburt erbaut wurde, eine Marktanlage, eine Thermenanlage, die die größte der römischen Welt war und weitere imposante Bauten. Durch die geographische Lage der Tripolitania an der Küste mit regelmäßigem Niederschlag und quasi mediterranem Klima war dort eine landwirtschaftliche Nutzung des Bodens möglich, die sich bis in die Wadis des Djebel Nafusa erstreckte. Es gab eine ausgeklügelte Wasserbewirtschaftung mit Wasserbevorratung durch Staumauern bzw. Talsperren, die zur Gründung vieler „Farmen“, insbesondere Olivenfarmen geführt hat.

Bis heute leben in Libyen Sesshafte und Nichtsesshafte friedlich nebeneinander wie schon in der Antike. Die Libyer sind stolz auf ihr historisches Erbe und haben viele neue Museen eingerichtet, die allerdings von Fachleuten als noch nicht ausreichende konservatorische Anstrengungen zum Erhalt des kulturellen Erbes gewertet werden. Das faszinierende Wasserbewirtschaftungssystem wird derzeit durch die UNECSO und andere Förderer der Archäologie eingehend erforscht, um es evtl. für die Gegenwart wieder nutzbar zu machen. Ebenso wird die alte Lehmbautechnik wiederentdeckt, die vor einigen Jahrzehnten zugunsten von modernen Bauten aufgegeben wurde. Doch jetzt stellt man fest, dass die Lehmbauten den klimatischen Verhältnissen in Libyen eher gerecht werden als „moderne“ Bautechnik. Auch insofern vollzieht sich ein erfreulicher Wandlungsprozess in Libyen. 

Bilder zur Veranstaltung finden Sie hier.

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