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Nuzha — Ein Ausflug mit Oud

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Nuzha, im Arabischen wörtlich „Ausflug“, bezeichnet zudem eine große arabische Zither, die seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr existiert. Für Mohammed Khoudir, den Gründer und Leiter des Projektes „Nuzha“, vereint das Wort daher sowohl das Gefühl vieler geflüchteter Menschen, dass das alte Leben nicht mehr existiert, das neue sich aber noch fremd anfühlt, als auch die Kraft der Musik und des gemeinsamen Musizierens, ein Stück Heimat zu bewahren und Normalität zurückzugewinnen. Im Rahmen des Nuzha-Projektes reparierten zehn Jugendliche mit Fluchterfahrung unter Khoudirs Anleitung zerstörte Musikinstrumente wie Oud und Kanun oder ersetzten ihre auf der Flucht zurückgelassenen oder beschädigten Instrumente. Am 14. Dezember 2017 präsentierte Khoudir sein Projekt in den Räumlichkeiten der DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. und eröffnete eine Ausstellung zur Entstehung einer Oud mit einer leidenschaftlichen musikalischen Darbietung und Jam Session der Projektteilnehmer*innen, die mit ihren wiedergewonnen Instrumenten und durch ihre Improvisationskunst die Gäste zu bezaubern und begeistern wussten.

Eine musikalische Biographie

Mohammed Khoudir leitete den Abend mit klanglich aufbereiteten Szenen aus seinem persönlichen Lebensweg ein. Vier zentrale Stationen seiner Biographie wurden symbolisiert durch ein unterschiedliches Instrument. Der langsame, ruhige Rhythmus einer Handtrommel stellte sein Aufwachsen in Algier, Algerien, dar. Die politische Instabilität des Landes in den 90er Jahren und schließlich die Auswanderung nach Deutschland fanden Widerhall im schrillen, geigenartigen Klang eines von Khoudir selbst kreierten und extravagant gestalteten Instruments. In Deutschland machte  er eine Ausbildung zum Erzieher und arbeitet seither in diesem Beruf, klanglich übertragen durch die  warmen, herzlichen Klänge der allerersten von ihm selbst gebauten Oud. Vom Gedanken fasziniert, das Oudspielen anzufangen, traf er jedoch früh auf Schwierigkeiten: Als er mit einer nagelneuen Oud zum Unterricht erschien, fragte sein Lehrer, ob er eine Braut oder ein Instrument haben wolle – und wies ihn ab. Daraufhin beschloss Khoudir, sich eigenständig weiterzubilden und baute seine erste eigene Oud in der heimischen Küche. Diese Phase seines Werdegangs stellte er durch hin und her, auf und ab hüpfende Töne einer kleinen Version der Kastenzither, auf Arabisch Kanun, dar, die seine Tätigkeit als Instrumentenbauer verkörperte.

Nuzha – vom Weggehen und Ankommen

Im Anschluss berichtete Khoudir von der Entstehungsgeschichte des Nuzha-Projekts. In den letzten Jahren frequentierten immer mehr neu in Berlin eingetroffene junge Menschen, arabische Studenten und geflüchtete Jugendliche seine Werkstatt, die sich danach sehnten, ihre oftmals stark beschädigten Instrumente zu reparieren und vor allem wieder selbst musizieren zu  können. Obwohl es oft an finanziellen Mitteln fehlte, habe er sie nicht abweisen können. In einer kleinen Ecke seiner Werkstatt stellte er stattdessen Werkzeuge für die Reparatur und Selbstkreation zur Verfügung – eine Lösung ganz im Geiste des Do-it-yourself. Im Laufe der Wochen und Monaten leisteten die Musiker und Instrumentenbauer in spe Großartiges, so Khoudir, wofür er die allergrößte Bewunderung empfinde. Gemeinsam betrat er daraufhin mit einigen der anwesenden Projektteilnehmer*innen die Bühne, um die Musik sprechen zu lassen: Alle griffen zu ihren Instrumenten und eine Jam Session schloss sich an, in deren Verlauf die große Leidenschaft der jungen Musiker den gesamten Raum erfasste.

Außerdem gab es während und nach der musikalischen Darbietung die Gelegenheit, sich die von Khoudir gestaltete Ausstellung zum Entstehungsprozess einer Oudbaus anschauen, die nicht nur die unterschiedlichen Arbeitsschritte, sondern auch die verschiedenen Arten der Klanghölzer, die Einzelteile und Montage sowie die fertigen Instrumenten veranschaulicht.

Im Anschluss an das Konzert hatten die Gäste noch die Möglichkeit, sich bei Fingerfood und Erfrischungsgetränken kennenzulernen und auszutauschen.

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