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Jour Fixe: Urban Peripheries in Tunis

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Die fortschreitende Urbanisierung verdichtet sich in Metropolen von ungeahnten Ausmaßen. In

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Jour Fixe: Urban Peripheries in Tunis

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*English version below*

Die fortschreitende Urbanisierung verdichtet sich in Metropolen von ungeahnten Ausmaßen. In urbanen Räumen konzentrieren sich nicht nur wirtschaftliche Produktions- und Austauschprozesse, sondern auch soziale und kulturelle Interaktion und Innovation. Dies lässt Gewinner und Verlierer zurück und produziert unglaublichen Reichtum, aber ebenso Massenarmut und systemische Marginalisierung einer Vielzahl von Stadtbewohnern, die abseits von Politik und Öffentlichkeit auch unter widrigen Bedingungen das Stadtleben mitprägen und sich Räume aneignen. Ein gutes Beispiel dafür ist die kherba, ein Viertel in der Altstadt von Tunis. Über die wechselhafte Geschichte und die Rekonfigurationen, die dieses Viertel erfahren hat, sprach Dr. Nora Lafi, leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Zentrum Moderner Orient und Dozentin an der Freien Universität Berlin, am 21. November 2017 im Rahmen des 13. Jour-Fixe der DAFG – Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft e.V.

Städte als Laboratorien des Wandels

Lafi betonte die stetig gestiegene Bedeutung von urbanen Räumen für soziales Zusammenleben, in denen neue Formen des Wohnens und Zusammenlebens entwickelt und geprobt werden. Beispielhaft für derartige Prozesse des Wandels sei die historische Altstadt („Medina“) von Tunis zu nennen. Inmitten des Gassengewirrs befindet sich die kherba („die Zerstörte“), ein Viertel, dass auf eine besonders wechselhafte Historie zurückblickt. Bombardements während des Zweiten Weltkriegs beschädigten das durch traditionelle und franko-koloniale Architektur geprägte Viertel und veranlassten viele der dort ansässigen Familien zum Umzug in äußere Bezirke. Zurück blieben jene, die sich diesen Schritt nicht leisten konnten. Nach einer ausgedehnten Periode der Vernachlässigung, hat sich dort jedoch mittlerweile ein informeller Markt mit transnationalem Flair entwickelt, der neben Produkten aus Asien oder dem afrikanischen Kontinent auch neue Dynamiken mit sich brachte.

In einem historischen Exkurs machte Lafi die Transformationen greifbar, die das Viertel bereits durchlebte. Im Mittelalter noch Rückzugsort der Oberschicht, die prächtige Paläste bauen ließ, war es ein wirtschaftlich erfolgreicher Mittelpunkt des Färbergewerbes und Standort bedeutender Märkte. Unter französischer Kolonialherrschaft hielt eine veränderte Denke Einzug, die die neu errichteten, „modernen“ ville européenne europäischer Bauart, als neuen Status Quo einführten (im Vergleich  mit den „traditionellen“, ergo rückständigen, Vierteln der Medina, deren höhere Bevölkerungsdichte eine Herausforderung darstellte). Die kherba grenzte direkt an die ville européenne und entwickelte sich in den Vorkriegsjahren zu einem Zentrum des Nachtlebens und zum Schmelztiegel unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen. Soziale und räumliche Segregation wurde dadurch beschleunigt und in den 20er und 30er Jahren bildeten sich urbane Slums mitten im alten Stadtzentrum.

Marginalität und Marginalisierung neu denken

Schon zur Kolonialzeit und insbesondere nach der Unabhängigkeit seien die wohlhabenden Eliten an die Küste nach Marsa oder Karthago gezogen und hätten ihre Paläste unbewohnt zurückgelassen, so Lafi. Im Zuge der wakalisation – die Besetzung von verlassenen Palästen durch mehrere Familien ländlicher Herkunft – wandelte sich die soziale Zusammensetzung des Viertels, während die Bewohnerdichte zunahm. Später versuchte die Regierung diesem Prozess durch sozialen Wohnungsbau und Umsiedlung entgegenzuwirken. Die kherba sei zwar eines der am meisten von wakalisation betroffenen Viertel gewesen, aber dennoch von staatlichen Programmen vernachlässigt worden, so Lafi.

Auf diese Weise entwickelte sich Kherba zu einer Armutszone. Lafi hob deutlich hervor, dass man die statische Sicht auf Armut und Marginalisierung dekonstruieren müsse. Marginalität sei ein komplexes und vielschichtiges Phänomen und soziale und räumliche Ränder nicht miteinander gleichzusetzen. Soziale Marginalisierung finde sowohl im Stadtzentrum als auch an der (räumlichen) Peripherie statt. Das Selbstverständnis der Bewohner eines Viertels hänge nicht zwingend von  ihrer wirtschaftlichen Situation ab.

In der anschließenden Diskussion war insbesondere der Einfluss der Tunesischen Revolution von 2011 auf die Medina Thema. Aufgrund der zugespitzten Sicherheitslage, besonders nach dem Anschlag auf das Museum von Bardo, seien die Tourismuszahlen zurückgegangen – auch eine Haupteinnahmequellen der Medina-Bewohner – mit enormen Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Gleichzeitig habe jedoch die Zivilgesellschaft deutlich an Einfluss gewonnen und die Tunesier hätten begonnen, ihre Stadt wieder selbst zu gestalten. So setzt sich beispielsweise der Verein „Association pour la sauvegarde de la médina de Tunis“ (Asmtunis) dafür ein, die verfallenden Prachtbauten der Altstadt in Stand zu halten. Auffällig sei auch die steigende Popularität von AirnBnB in der Altstadt.

Alexander Neumann

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Urbanization manifests itself in metropolises of unknown dimensions. In urban spaces, not only the production and exchange of goods are concentrated but also the social and cultural interactions and innovations. This produces winners and losers, creates incredible wealth but also mass poverty and systemic marginalization of a large number of city dwellers that, despite the lack of attention by the government and the public, nevertheless shape city life and appropriate its spaces. A good example for the aforementioned is the kherba, a neighborhood in the old town of Tunis. The already 13th edition of the DAFG- Jour Fixe, “Urban Peripheries and Social Contrasts in Tunis”, was held on 21 November 2017 and featured a lecture by Dr. Nora Lafi, senior research associate at the Leibniz-Zentrum Moderner Orient and lecturer at the Free University of Berlin, who focused on the unsteady history and reconfigurations that this particular neighborhood has experienced throughout the 20th century.

Cities as Laboratories of Change


Lafi underlined the steadily increasing importance of urban spaces for social coexistence, in which new forms of living are developed and put into practice. The old town (“medina”) of Tunis is exemplary for such processes of change. In the midst of the maze of narrow alleys lies the kherba (“the destroyed one”), a neighborhood that has experienced a particularly volatile history. Bombardments during the Second World War led to the destruction of large parts of its defining traditional and French colonial architecture, causing many of the residents to leave for the peripheries. The ones who stayed behind were those who couldn’t afford that move. In the meanwhile, after a prolonged period of negligence, an informal market with transnational flair has emerged there and, alongside products from Asia and the African continent, brought a new dynamic to the area.


In a historical digression, Lafi made the transformations that the neighborhood experienced tangible. In the Middle Ages, it was the retreat of the better-off who build splendid palaces, later on it became the economically successful center of the dyers craft and site of vibrant markets. Under the French colonial rule, a new way of thinking became predominant which imposed the newly built, “modern” ville européenne of European design as the new status quo (in contrast with the “traditional” that is to say backward districts of the medina whose high population density represented a challenge). The kherba was immediately adjacent to the ville européenne and in the prewar years evolved into a center of night life and a melting pot of different population groups. This accelerated social and spatial segregation with the consequence of emerging urban slums in the old city center throughout the 1920s and 30s.


New Ways of Thinking about Marginality and Marginalization


Already during the colonial period and especially after independence, wealthy elites moved to the coast to Marsa and Carthage and left their palaces unoccupied. In the course of a process of wakalization – the squatting of abandoned palaces by several families of rural origin – the social composition of the neighborhood changed while population density increased. Later on, the government tried to counter this process with social housing and resettlement projects. According to Lafi, the kherba is one of the neighborhoods which were the most affected by wakalization but nevertheless has been neglected by governmental initiatives.


Subsequently, the kherba developed into a poverty zone. Lafi insisted on the fact that we have to deconstruct our static view on poverty and marginalization. Marginality is a complex and multifaceted phenomenon and social and spatial margins should not be equated. Social marginalization occurs in the city center as well as in the (spatial) periphery. The self-perception of the inhabitants of a neighborhood does not necessarily depend on their economic situation.


In the following discussion, the main topic was the influence of the Tunisian Revolution of 2011 on the Medina. Due to the worsened security situation, especially after the attack on the Bardo Museum, tourism numbers dropped significantly – one of the main income sources of the inhabitants of the Medina – with an enormous impact on the people’s lives. At the same time, civil society has clearly gained influence and the Tunisians have begun to shape their city in their own right again. For instance, the association “Association pour la sauvegarde de la medina de Tunis” (Asmtunis) advocates for the renovation and maintenance of the magnificent but crumbling buildings of the old town. The increasing popularity of AirBnB in the old town is striking, too.


Alexander Neumann

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