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Kurzfilmscreening: Lebanon wins the World Cup

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Fußball statt Krieg – ist das überhaupt möglich? Ausgehend von dieser Frage lud die DAFG  – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. am 5. April 2017 zum ersten Mal zu einer Vorführung des libanesischen Kurzfilms „Lebanon wins the World Cup“ - ein Film über den libanesischen Bürgerkrieg, Fußball und die Macht des Vergebens. Im Beisein des Produzenten und Komponisten der Filmmusik, Allen Seif, begrüßte DAFG-Geschäftsführer Björn Hinrichs die zahlreich erschienenen Gäste. Die anschließende Diskussion wurde moderiert von Christoph Sydow, Libanon-Experte und Redakteur bei Spiegel Online.

Der libanesische Bürgerkrieg

In „Lebanon wins  the World Cup“ versuchen die Filmemacher das (fast) Unmögliche: sie bringen ehemalige Kontrahenten des libanesischen Bürgerkriegs zusammen. Die ehemaligen Feinde Edward, der Christ, und Hasan, der Kommunist, erzählen über ihr Schicksal und beschreiben bewegend offen  die Grausamkeit des libanesischen Bürgerkrieges. „Der Bürgerkrieg war hässlich“, gibt Edward unumwunden zu. Im Krieg kämpften Muslime, Christen und politische Gruppierungen gegeneinander und darüber hinaus kam es zu Interventionen anderer Staaten.

Fußball: Die Alternative zum Krieg?

Jedoch gab es auch eine andere oft vergessene Seite des Krieges: Fußball. Viele libanesische Kämpfer, unter anderem auch die Rivalen Edward und Hasan, folgten während des Krieges insbesondere die Fußball Weltmeisterschaft 1970 und 1982 aufmerksam am Fernsehen. Und trotz aller Unterschiede und Rivalitäten haben Edward und Hasan eine Sache gemeinsam: Beide sind Brasilien-Fans. „Libanesen sind verrückt nach Fußball“, wie im Film  betont wird. Da der Libanon jedoch selbst nicht an die Fußball Weltmeisterschaften teilnimmt, unterstützen Libanesen andere Länder, mit denen sie sich identifizieren – vor allem Brasilien und Deutschland. „Dein Land wird besetzt, es ist unter Angriff. Und stellt euch vor, alles worüber ich denken konnte, war ein Spiel“, so Hasan. Das Spiel Italien gegen Brasilien während der Weltmeisterschaft 1982 sorgt sogar kurzzeitig für eine Waffenruhe: alle Fraktionen, sogar die israelische Armee stellen die Kampfhandlungen für die Dauer des Spieles ein, verfolgen gebannt das Spiel. Eine Leidenschaft, die dann allen Widerständen zum Trotz auch eine versöhnende und vereinende Kraft hat, wie der Kurzfilm zeigt. Am Ende des Films treffen sich schließlich die ehemaligen Feinde Edward und Hasan: Zusammen schauen sie das Achtelfinalspiel Chile gegen Brasilien bei der WM 2014, leiden und feiern gemeinsam. Ein kleiner, aber mutiger und ermutigender Schritt auf dem Weg zur Versöhnung zwischen den Kriegsparteien in einem Land, das noch immer von Konflikten geschüttelt wird.

Die besondere Rolle des Fußballs in Libanon

Doch wie nachhaltig kann eine solche Begegnung sein? Anschließend zum Kurzfilm folgte ein Interview zwischen Sydow und Seif. Sydow wunderte sich, wie viele Gäste nämlich auch, warum die Libanesen so leidenschaftlich gerade die deutsche und brasilianische Fußballnationalmannschaft unterstützen. Seif beschrieb, dass Libanon keine Möglichkeit besäße an die Fußballweltmeisterschaft teilzunehmen. Es sei ein entfernter Traum für die Libanesen, wenn Libanon sich für die Fußballweltmeisterschaft qualifizieren würde. Aus diesem Grund würden die Libanesen andere Länder unterstützen, mit denen sie sich identifizieren könnten: Deutschland und Brasilien, wie wir im Film gesehen haben. Libanesen, die aus einem ärmeren Hintergrund stammen, würden Brasilien favorisieren, da viele Brasilianer selbst aus einem armen Hintergrund stammen würden und Fußball die Möglichkeit aus der Armut sei. Libanesen, die aus der Arbeiterschicht stammen, würden Deutschland favorisieren, da die Deutschen Arbeit, Zielstrebigkeit und Fleiß symbolisieren würden.

Spannende Interaktion mit dem Publikum

Nach dem Interview folgten die Eindrücke vom Publikum. Zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit, um Allen Seif nicht nur Fragen zu stellen sondern auch ihre Ansichten und ihr Schicksal zu teilen.  Viele hatten den libanesischen Bürgerkrieg selbst miterlebt und waren gerührt von dem Dokumentarfilm. Aber auch für die junge Generation ohne direkte Kriegserfahrung ist der Film von Bedeutung: So präsentierte Allen Seif eine kurze Dokumentation der Tour des Filmes durch abgelegene Dörfer Libanons. Hier wurde in Kooperation mit libanesischen NGOs der Film Jugendlichen auf Fußballturnieren gezeigt, um die verbindende Kraft des Fußballs unter Beweis zu stellen und Jugendliche unterschiedlicher Konfliktparteien zum Austausch zu bewegen. Die fortgesetzte Diskussion verlief spannend und übermittelte interessante Ansichten sowohl von Allen Seif als auch vom Publikum. Die Diskussionen konnten im Anschluss bei hausgemachtem Hummous, Fladenbrot und Baba Ghanoush fortgesetzt werden. DAFG-Mitglied Omar Saad von Hoummous & Khobez hatte die arabischen Köstlichkeiten für diesen besonderen Abend gespendet.

Mahtab Khan Ishaq

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