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Gedanken eines bewegten Lebens – Der irakische Dichter Abdulkareem Kasid liest in der DAFG

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Abdulkareem Kasid und Meriam Abbas

Dichtung und Kultur sind keine Schlagworte, die man momentan mit dem Irak in Verbindung bringt. Prof. Dr. Haase, ehemaliger Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin und Mitglied des DAFG-Beirats, bezweifelte in seiner Begrüßung zu einer gemeinsam von DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. und Bagdad-Forum für Kultur und Kunst e.V. organisierten Veranstaltung, ob die hiesigen Medien uns einen wirklichen Einblick in das alltägliche Leben im Irak böten. Umso mehr begrüßte er die Gelegenheit, einmal eine andere Sicht auf das Land zu gewinnen, indem man einen der Spezialisten und Meister des Wortes zu Wort kommen lasse: den emigrierten irakischen Dichter Abdulkareem Kasid.

 Prof. Dr. Haase erinnerte an die großen deutschen Dichter, die heute „jeder kennt und keiner liest“. Demgegenüber stehe der lebendige Umgang mit Poesie in der arabischen Welt, in der momentan stärker als zuvor ein Bedürfnis nach Ausdruck herrsche. So wisse beispielsweise kaum jemand hierzulande, dass sich auf dem (auch dort existierenden) Tahrir-Platz in Bagdad Menschen träfen, um über Gedichte zu diskutieren.

 Ibrahim Sharif, Vertreter des irakischen Kulturvereins Bagdad Forum für Kultur und Kunst e.V., lud in seiner Begrüßung das Publikum nachdrücklich dazu ein, diese Veranstaltung dazu zu nutzen, um sich mit dem Dichter und den anderen Gästen über irakische Kunst und Kultur auszutauschen. Er stellte den Gegensatz zwischen „Dichtung und Wahrheit“, zwischen den kulturellen Ausdrucksformen emigrierter irakischer Künstler und der Realität im Irak in den Raum und freute sich, dass das Interesse an Poesie und Kultur so viele Menschen zusammengebracht habe.

 Abwechselnd mit der irakisch-stämmigen Schauspielerin Meriam Abbas, die jeweils die deutsche Fassung las, trug Abdulkareem Kasid dann seine Gedichte vor. Abbas‘ Erfahrungen aus zahlreichen Theater-, Film- und Fernsehproduktionen, z.B. am Wiener Burgtheater, waren dabei nicht zu überhören. Die gemeinsame energetische Lesung rief immer wieder Applaus und begeisterte Zurufe aus dem Publikum hervor.

 Insbesondere Kasids Epigramme sorgten für Humor („Als der Kaiser sein Volk nackt sah, sprach er: „Oh wie hübsch ist das Volk in seiner prachtvollen Kleidung!“). Nachdenklich gestimmt wurde das Publikum durch seine Sicht auf den Irak als verletzten „Löwe(n) von Babylon“ und mit „Sarabad“, einem Gedicht über eine unerreichbare Fantasiestadt, deren Name sich aus „sara“, dem arabischen Wort für Fata Morgana, und „-abad“, einer Bezeichnung aus dem persischen Raum für Stadt, zusammensetzt.

 In der anschließenden Diskussion gab es Gelegenheit für die Gäste, sich über die Inhalte der Gedichte und über die Situation der Kultur und Kulturschaffenden im Irak auszutauschen.

Untenstehend finden Sie eine Kostprobe der Lesung:


Der Löwe von Babylon

Ein paar Meter entfernt vom Fluss
Thront der Löwe von Babylon.
Um ihn herum keine Terrassen, keine Kinder
Keine Gärten und keine Türme.
Wenn die Menschen an ihm vorbeigehen
Und ihn nicht einmal beachten,
Schüttelt er betrübt den Kopf
Und wiederholt einen Satz,
Den niemand hört;
Und auch wenn ihn jemand hört, nimmt ihn keiner wahr:
"Ich bin der Löwe von Babylon
ICH bin der Löwe von Babylon.“

 

Die Protagonisten des Abends

Der Dichter Abdulkareem Kasid wurde 1946 in der südirakischen Stadt Basra geboren und studierte Philosophie in Damaskus und Übersetzung und Englische Literatur in London. Nach seiner Flucht aus dem Irak 1978 lebte er in Kuwait, Syrien und dem Jemen, wo er als Herausgeber des jemenitischen Kulturmagazins New Yemeni Culture arbeitete. Heute lebt er in London, England. Seine Werke wurden ins Französische und Englische übersetzt und in Anthologien arabischer Dichtung aufgenommen („The First Anthology Of Translated Arabic Poetry, 1987, Columbia University Press; „Iraqi Poetry Today“, 2003, King’s College, London). Neben Gedichten schreibt er auch Theaterstücke und Romane.

Die Schauspielerin Meriam Abbas wurde 1970 in Bagdad geboren und wuchs ab dem zwölften Lebensjahr in Berlin auf. Ihr Schauspielstudium absolvierte sie am Mozarteum in Salzburg. Sie wirkte in zahlreichen Theater-, Film- und Fernsehproduktionen mit, z.B. am Wiener Burgtheater oder im Film „Nachtgestalten“ (1999) von Andreas Dresen.

 

 

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