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Suleiman Mansour bei der DAFG zu „Kunst als Ausdruck palästinensischer Identität“

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Suleiman Mansour

Am 2. Februar 2011 hatte die DAFG die Ehre, den palästinensischen Künstler Suleiman Mansour bei sich in der Geschäftsstelle begrüßen zu dürfen.

DAFG-Vizepräsident Houssam Maarouf, begrüßte die Gäste und bedankte sich bei Herrn  Siegfried Dreusicke vom Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF), der Suleiman Mansour bereits viele Jahre kennt und seinen Besuch in Deutschland organisiert hatte.

S.E. Salah Abdel Shafi, Generaldelegierter Palästinas, sprach ein herzliches Grußwort, in dem er darauf hinwies, dass die Bezeichung Mansours als Künstler eigentlich eine Untertreibung sei, da er viel mehr sei, nämlich Aktivist, Erzieher, Pädagoge seines Volkes und eben auch Künstler. Er habe nicht nur die Kunst als Ausdrucksform des Widerstands und als Mittel zur Identitätsfindung seines Volkes bekannt gemacht, sondern ist auch einer der wichtigsten Protagonisten der Szene, der nicht müde wird, immer neue Projekte in Angriff zu nehmen. Jedes Schulkind in Palästina kenne Mansours Gemälde „Der Lastenträger“, das zum Sinnbild für das Schicksal des palästinensischen Volkes geworden sei.

 

Suleiman Mansour gab zunächst einen Überblick über die Entwicklung der palästinensischen bildenden Künste, bevor er dann anhand von Bildern detaillierter auf einzelne Merkmale und Motive einging.

Die bildende Kunst in Palästina entwickelte sich zunächst als eine Art Nachahmung der westlichen Kunst, und bis 1948 waren die Künstler eher unpolitisch, weshalb die palästinensische Kunst aus der Zeit vor der nakba – der Katastrophe, nämlich der Vertreibung von 1948 – heute kaum Beachtung findet. Während vor 1948 hauptsächlich Landschaften, Portraits oder historische Figuren gemalt wurden, änderte sich das mit der nakba schlagartig: Flüchtlingsmotive wurden populär, und fast alle Kunst beschäftigte sich zunächst mit dem Thema der Machtlosigkeit, mit Armut und Unglück. Ab Ende der 1950er Jahre erinnerten sich die Kunstschaffenden an ihre verlorenen Dörfer und Landschaften und setzten hauptsächlich Motive in Szene, die sich mit dem verlorenen Stück Heimat beschäftigen, während ab Mitte der 1960er Jahre Heldenbilder entstanden, mit Motiven, die Widerstand und Stärke ausdrückten. Nach dem Sechs-Tage-Krieg kam das Thema Identität in der palästinensischen Gesellschaft und damit auch unter den Künstlern auf, wobei allerdings die Mehrheit der Künstler ins Exil geflüchtet war und man eigentlich nicht von einer Kunstszene sprechen konnte. Viel zitierte Motive aus dieser Zeit zeigen Ketten, Gefängnisse oder Stacheldraht, aber auch wiederkehrend das verlorene Land und natürlich den Felsendom, der sich vom Sinnbild Jerusalems zum Symbol Palästinas wandelte. Auch der Rückgriff auf alte kanaanitische Kunst oder Kalligraphie wird nun eine beliebte Ausdrucksform. 1981, als seitens der israelischen Behörden nicht nur das Abbilden der palästinensischen Flagge verboten worden war, sondern auch die Benutzung der Nationalfarben rot, grün, schwarz und weiß, wurde eine Zeitlang nur noch mit diesen Farben experimentiert. Eine andere Phase des Boykotts bzw. Widerstands ist durch das Aufkommen natürlicher Materialien in den Kunstwerken gekennzeichnet, also Arbeiten, die mit Lehm, Erde, Stroh, Holz, Leder und unter Verwendung von Naturfarben entstanden.

Die Kunstszene, die durch die nakba und die Kriege relativ auseinandergerissen worden war, formierte sich 1971 durch eine Ausstellung in Jerusalem neu, und über Jahre hinweg versuchte man sich in einem Berufsverband zu organisieren und eine künstlerische Infrastruktur aufzubauen. Letztendlich konnte 2004 endlich die internationale Kunstakademie in Ramallah gegründet werden, die Mansour als sein bisher wichtigstes Werk bezeichnet. Ein palästinensisches Kunstmuseum ist in Arbeit, auch wenn zur Realisation dieser Idee sicher noch viel Zeit vergehen wird.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurden einige Aspekte nochmals vertieft und in einzelnen Gesprächen klang der Abend, der einen spannenden Einblick in die Geschichte der palästinensischen Kunst lieferte, aus.  

 

Eindrücke des Abends mit Suleiman Mansour finden Sie hier.

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